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Maßnahmen des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration

Weiterer Ausbau der Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut

Das Land hat in den letzten Jahren Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut als innovative Modelprojekte auf dem Gebiet der Armutsbekämpfung und Prävention in Standorten mit besonders hoher Armutsgefährdung von Kindern und Jugendlichen gefördert (Verein Kinderchancen Singen e.V., Stadt Pforzheim und Stadt Mannheim; ein ähnliches Projekt der Stadt Tübingen wurde ebenfalls gefördert).

Im Rahmen des Förderaufrufs „Aktiv und gemeinsam gegen Kinderarmut und für Kindergesundheit“ sind im Jahr 2018 sechs weitere Standorte dazugekommen (Ortenaukreis, Landkreis Ravensburg, Stadt Schorndorf, Stadt Singen, Stadt Stuttgart, Stadt Ulm). Zwei weitere Präventionsnetzwerke haben auf Grundlage des Förderaufrufs „Aktiv und gemeinsam gegen Kinderarmut und für Teilhabe und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen“ im Dezember 2019 die Arbeit aufgenommen: im Landkreis Lörrach und in der Stadt Mannheim. Inhaltlicher Schwerunkt ist hier Kinderarmut und Teilhabe sowie Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Allen seit 2018 und 2019 geförderten Präventionsnetzwerken wurde und wird die Möglichkeit eröffnet, weitere konkrete, zielgruppenspezifische Maßnahmen vor Ort zu verwirklichen, die in der Netzwerkarbeit festgestellte Lücken etwa in der Präventionskette schließen und von denen Kinder in Armut oder besonderen Belastungssituationen besonders profitieren.

Die beim Aufbau bzw. der Weiterentwicklung der Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut gewonnenen Erfahrungen wurden seitens der FamilienForschung im Statistischen Landesamt praxisnah bilanziert. Im Zusammenhang mit der Strategie "Starke Kinder - chancenreich" sollen die Bilanzierung sowie organisierte Vernetzungstreffen mit Akteurinnen und Akteuren der früher geförderten Präventionsnetzwerke auch dazu dienen, den Begriff der „Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut“ im Land vor dem Hintergrund der bisherigen Erfahrungen konzeptionell zu definieren, Gelingensfaktoren zusammenzutragen und gute Beispiele für konkrete Maßnahmen und Aktivitäten zu identifizieren. Projekte und Maßnahmen, die im Rahmen kommunaler Präventionsnetzwerke in Baden-Württemberg durchgeführt wurden, wurden in der Bilanzierung in Form einer Synopse zusammengestellt, um eine Übersicht bisheriger Aktivitäten zu ermöglichen.

> Download der Publikation "Strategien gegen Armut - Bilanzierung Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut und für Kindergesundheit" (PDF-Format)

Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut haben sich als geeigneter Ansatz erwiesen, um den aus der Kinderarmut folgenden Benachteiligungen entgegenzuwirken. Präventive Maßnahmen gegen Kinderarmut sind dann besonders effektiv, wenn die lokalen Lebenswelten der betroffenen Kinder berücksichtigt werden, die Glieder einer Präventionskette und die Übergänge beachtet werden, und die Maßnahmen von einem engmaschigen Netz aus Fachkräften des Gesundheits- und Bildungswesens, Lehr- und Betreuungskräften, Familienbildungszentren und von Verantwortlichen aus der Kommune und den Quartieren getragen werden.

> Landkarte mit Standorten der Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut (PDF-Format)
> Steckbriefe der Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut (PDF-Format)

Zwei Filme geben einen Eindruck von der Arbeit in den Präventionsnetzwerken gegen Kinderarmut:
> Film über die Arbeit des Präventionsnetzwerks gegen Kinderarmut in der Stadt Schorndorf (YouTube)
> Film über die Arbeit des Präventionsnetzwerks gegen Kinderarmut in Mannheim-Neckarstadt West (Facebook)

Beiträge in Sammelbänden:
Christine Weber-Schmalzl/Saskia Exner (2020): Die Präventionsnetzwerke "Gegen Kinderarmut und für Kindergesundheit" in Baden-Württemberg. In: Katharina Böhm/Stefan Bräunling/Raimung Geene/Heike Köckler (Hg.): Gesundheit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das Konzept des Health in All Policies und seine Umsetzung in Deutschland. Wiesbaden: Springer VS, S. 289-295.
Böttinger, Ulrich (2020): Das Präventionsnetzwerk Ortenaukreis (PNO): Eine kommunal verankerte Strategie der Gesundheitsförderung in Kindertageseinrichtungen und Schulen. In: Katharina Böhm/Stefan Bräunling/Raimung Geene/Heike Köckler (Hg.): Gesundheit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das Konzept des Health in All Policies und seine Umsetzung in Deutschland. Wiesbaden: Springer VS, S. 297-303.

Für die Märzausgabe der Verbandszeitschrift "die gemeinde" des Gemeindetags Baden-Württemberg ist ein Artikel zum Ansatz der Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut am Beispiel des Projekts "Chancengleich!" in Schönau im Schwarzwald (Landkreis Lörrach) entstanden. In der Ausgabe 1/2021 der Verbandszeitschrift "Landkreisnachrichten" des Landkreistags Baden-Württemberg wird in einem Artikel ebenfalls das Projekt "Chancengleich!" vorgestellt (siehe hierzu S. 38-40 des PDF-Dokuments). Allerdings liegt hier der Fokus auf der Intention und Arbeit des Landkreis Lörrach als Projektleitung.

In der Maiausgabe der Straßenzeitung "Trott-war" befindet sich ein Artikel zum Ansatz der Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut am Beispiel des Projekts "Gesund aufwachsen in Stuttgart-Rot", das unter Federführung des Gesundheitsamts Stuttgart durchgeführt wird.

Um eine größere Verbreitung dieses erfolgreichen Ansatzes zu erreichen, wurde im Jahr 2020 eine weitere Ausschreibung zur Einrichtung von Präventionsnetzwerken gegen Kinderarmut veröffentlicht. Im Rahmen des Förderaufrufes „Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut – Erkennen und Weiterentwickeln von lokalen Präventionsketten“ (siehe Rubrik "Aufrufe und Ankündigungen") werden weitere neun Projekte in den Stadtkreisen Heilbronn und Pforzheim sowie in den Landkreisen Ravensburg, Karlsruhe (2), Rems-Murr-Kreis, Konstanz, Tübingen und Esslingen für einen Zeitraum von zwei Jahren gefördert, also von Dezember 2020 bis November 2022 gefördert. Hier werden neue Strukturen für Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut geschaffen und weiterentwickelt. Neben Gesundheit oder Teilhabe werden in den Projekten Handlungsfelder wie Familienbildung, Sprache und Spracherwerb, Bildung und Übergänge, Wohnen und Sozialraum in den Blick genommen.

Auch im Jahr 2021 wurde erneut eine Ausschreibung zur Förderung von Präventionsnetzwerken gegen Kinderarmut veröffentlicht (siehe Rubrik "Aufrufe und Ankündigungen"). Weitere acht Standorte in Baden-Württemberg können für den Aufbau bzw. die Weiterentwicklung von Präventionsnetzwerken gegen Kinderarmut mit Landesmittel für einen Zeitraum von zwei Jahren gefördert werden. Es handelt sich um Projekte in den Stadtkreisen Freiburg und Heilbronn sowie in den Landkreisen Esslingen, Göppingen, Heilbronn, Rottweil, Tübingen und dem Ortenaukreis.

Zum 1. September 2021 bestehen insgesamt 26 Projektstandorte in 17 der 44 Stadt- und Landkreise im Land.
Bis zum Jahr 2030 sollen die Teilhabemöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen durch weitere kommunale Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut im Land gesteigert werden. Ziel des Landes ist es, dass im Jahr 2030 in allen Stadt- und Landkreisen Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut etabliert sind. Bereits bestehende Präventionsnetzwerke sollen weiterhin finanziell unterstützt werden.

Die FamilienForschung im Statistischen Landesamt wird im Auftrag des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration weitere Vernetzungstagungen, Seminare und Fachveranstaltungen durchführen, um für eine bessere Vernetzung der interessierten Fachöffentlichkeit zu sorgen, gute Praktiken im Land zu verbreiten und Ergebnisse zu sichern sowie Konzepte fortzuschreiben.

Im Rahmen des „Recovery Assistance for Cohesion and the Territories of Europe (REACT)“-Programms der EU wurde im Dezember 2020 ein Förderaufruf „Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut PLUS“ (siehe Rubrik "Aufrufe/Ankündigungen") veröffentlicht. Dort wo bereits Strukturen eines Präventionsnetzwerks gegen Kinderarmut bestehen, die den Kriterien des theoretischen Ansatzes für Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut entsprechen, können die Akteurinnen und Akteure Anträge für die Durchführung konkreter Maßnahmen stellen, die sich auf die Stärkung von Teilhabechancen trotz Corona-Auswirkungen und den Ausgleich von verschärften Ungleichheiten fokussieren, die durch die pandemiebedingten Einschränkungen für Kinder und Jugendliche entstanden sind. Das ist das PLUS im Gegensatz zur normalen Förderung von Präventionsnetzwerken gegen Kinderarmut aus Landesmitteln, die sich eher auf den Aufbau von Netzwerkstrukturen fokussiert. Die Projekte sollen ab Februar 2021 ausgewählt und mit einer zweijährigen Laufzeit umgesetzt werden.

> Steckbriefe der Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut
> Erfahrungen aus Europa: Die Bertelsmann Stiftung hat im Projekt "Kein Kind zurücklassen" die Rahmenbedingungen kommunaler Prävention im europäischen Vergleich untersucht.

Ausbau der Landesinitiative „Gesund aufwachsen und leben in Baden-Württemberg”

(mit dem Ziel in Kooperation mit der Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit (KGC) vor allem weitere Stadt- und Landkreise zu unterstützen, die das Thema Kinderarmut und Gesundheit in den Fokus nehmen)

In Zusammenarbeit mit dem Landesgesundheitsamt und der Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit Baden-Württemberg wird im Rahmen der Landesinitiative „Gesund aufwachsen und leben in Baden-Württemberg“ eine integrierte kommunale Gesundheitsförderung in Städten, Gemeinden und Quartieren unterstützt. Dieser Ansatz einer gesundheitsförderlichen Gestaltung der Lebenswelten trägt dazu bei, alle Kinder und Jugendlichen zu erreichen. Im Rahmen eines Förderaufrufs werden weitere Stadt- oder Landkreisen unterstützt, die insbesondere in Gebieten mit besonderen Bedarfen (z.B. Programmgebieten der sozialen Stadt) tätig werden.

> Weitere Informationen zum Förderaufruf "Kommunale Strategien zur Stärkung der gesundheitlichen Chancengleichheit von Kinder und Jugendlichen" unter der Rubrik Aufrufe/Ankündigungen

> Weitere Informationen zur Strategie "Starke Kinder - chancenreich" finden Sie unter der Rubrik Downloads

Online-Beratung Alleinerziehender

In Baden-Württemberg lebten 2018 ca. 269.000 alleinerziehende Frauen und ca. 55.000 alleinerziehende Männer. Alleinerziehende befinden sich häufig in einer komplexen Problemlage. Neben den strukturellen Benachteiligungen und den finanziellen Problemen können Themen wie Umgang, Sorgerecht, Unterhalt, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Organisation der Kinderbetreuung, die eigene Gesundheitsvorsorge, die Beziehung zum anderen Elternteil des Kindes etc. eine Rolle spielen.

Bestehende Einrichtungen können die besonderen Beratungsbedarfe von Alleinerziehenden nicht immer vollständig abdecken. Ein ergänzender Ansatz kann die Online-Beratung sein. Diese Beratungsform kann Alleinerziehenden weite, zeitintensive und (kosten-)aufwändige Wege ersparen. Daher fördert das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration den Aufbau einer passgenauen, niedrigschwelligen onlinebasierten Beratungs- und Austauschplattform „Online-Beratung für Alleinerziehende in Baden-Württemberg“ beim Verband alleinerziehender Mütter und Väter Landesverband Baden-Württemberg.

Die Online-Beratung für Alleinerziehende in Baden-Württemberg ist erfolgreich gestartet und wird gut nachgefragt. Es ist in diesen besonderen Zeiten ein passgenaues Angebot, welches den besonderen Bedarfen der Alleinerziehenden entspricht.

Die Ausgabe 1-2020 des GesellschaftsReports BW widmet sich der Situation Alleinerziehender in Baden-Württemberg: "Im Spagat zwischen Erwerbstätigkeit und Fürsorge – alleinerziehende Mütter und Väter in Baden-Württemberg". Der Bericht beschreibt faktenbasiert die besondere Situation von betroffenen Müttern und Vätern, zeigt Praxisbeispiele auf und gibt Handlungsempfehlungen.

> Direkt zur Online-Beratung für Alleinerziehende
> Weitere Informationen zur Strategie "Starke Kinder - chancenreich" finden Sie unter der Rubrik Downloads

Schulsozialarbeit: Sozialraumorientierung und Öffnung des Zugangs zu entwicklungsfördernden Angeboten

Schulsozialarbeit richtet sich an alle Kinder und Jugendliche an einer Schule. Kinder und Jugendliche aus einkommensschwache Familien werden vergleichsweise seltener von entwicklungsfördernden Angeboten, wie beispielsweise Sport- und Musikvereine, erreicht. Schulsozialarbeit spricht im Umfeld der Schule niederschwellig auch Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien an.

Gemeinsam mit den Partnern der Jugendsozialarbeit soll die Schulsozialarbeit in dieser Legislaturperiode qualitativ weiterentwickelt werden. Ziel ist eine noch stärker an den Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen orientierte Schulsozialarbeit, die neben Schule auch den Sozialraum der Kinder und Jugendlichen in ihre Arbeit einbezieht. Sie soll damit einen aktiven Beitrag zur Gestaltung und Optimierung der Lebensverhältnisse leisten. Sie wirkt auf eine gleichberechtigte Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen hin und kann so Zugänge zu entwicklungsfördernden Angeboten gerade für Kinder und Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien mittelbar eröffnen.

> Weitere Informationen zur Strategie "Starke Kinder - chancenreich" finden Sie unter der Rubrik Downloads

Prävention von Wohnungslosigkeit von Familien / Unterstützung von wohnungslosen Familien für ein gutes und gesundes Aufwachsen ihrer Kinder sowie bei der Überwindung der Wohnungslosigkeit

Das Sozialministerium hat im Jahr 2015 eine Studie zu „Umfang und Struktur von Wohnungslosigkeit und Hilfen für Menschen in Wohnungsnotlagen in Baden-Württemberg“ (GISS-Studie) veröffentlicht. Demnach befanden sich zum Stichtag 1. Oktober 2014 fast 23.000 Menschen in Wohnungslosigkeit oder waren akut davon bedroht. Davon waren knapp zwei Drittel ordnungsrechtlich untergebracht (Unterbringung nach §§ 1,3 PolG BW durch die Ortspolizeibehörden) und gut ein Drittel erhielt Hilfen zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten nach dem Achten Kapitel des Zwölftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB XII; siehe hierzu Seite 11 der GISS-Studie).

Für gut 14.000 dieser gezählten Personen lassen sich Aussagen zur Haushaltsstruktur machen. Dabei fällt auf, dass sich die Situation für Familien zwischen den beiden Rechtskreisen deutlich unterscheidet: Gab es zum Stichtag unter den ordnungsrechtlich untergebrachten Haushalten rund 9 % alleinerziehende Familien, so waren es unter den Leistungsberechtigen der Hilfe nach §§ 67 ff. SGB XII nur rund 4 %. Das liegt nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren der GISS-Studie daran, dass das Hilfesystem nach den §§ 67 ff. SGB XII traditionell nicht auf Hilfen für Familien ausgerichtet ist (siehe hierzu Seite 43 der GISS-Studie).

Für eine weitere Differenzierung nach Alter liegen Aussagen von knapp 10.000 am Stichtag gezählten Personen vor. Davon waren rund 13 % jünger als 25 Jahre. Besonders auffällig ist der hohe Anteil von wohnungslosen Kindern und Jugendlichen in ordnungsrechtlicher Unterbringung: bei den Unter-18-Jährigen lag der Anteil bei über 21 %, bei den Unter-25-Jährigen sogar bei fast 30 %. Hochgerechnet auf die Gesamtzahl der am Stichtag gezählten fast 23.000 Personen gehen die Autorinnen und Autoren der GISS-Studie von rund 3.000 wohnungslosen Kindern und Jugendlichen in ordnungsrechtlicher Unterbringung in Baden-Württemberg aus (siehe hierzu Seiten 44-46 der GISS-Studie).

Daraufhin hat die Landesarbeitsgemeinschaft der öffentlichen und der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg unter Mitwirkung des Sozialministeriums eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die ein Fachkonzept für die Weiterentwicklung der Wohnungslosenhilfe im Land entwickeln soll. Das Fachkonzept soll die Ergebnisse der Studie aufgreifen und für unterschiedliche spezifische Bedarfe, wie z.B. die von Familien, Hinweise geben und Handlungsempfehlungen formulieren. Daraus sind mehrere Stellungnahmen u.a. für die ordnungsrechtliche Unterbringung und die Prävention von Wohnungslosigkeit entstanden.

Aufbauend auf den Ergebnissen der GISS-Studie, insbesondere zur Wohnungslosigkeit von Kindern und Jugendlichen, sowie aufbauend auf den Einzelstellungnahmen bzw. Bausteinen des Fachkonzepts für die Weiterentwicklung der Wohnungslosenhilfe veröffentlicht das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration einen Förderaufruf „Familien in Wohnungslosigkeit“ (siehe Rubrik "Aufrufe/Ankündigungen").

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat sich im Februar 2021 im Rahmen der Podcast-Reihe "Was uns betrifft" mit der Situation von Jugendlichen befasst, die wohnungslos sind oder gar ganz auf der Straße leben. Florian, der als Jugendlicher selbst wohnungslos war und sich nun für Straßenjugendliche einsetzt, wird interviewt. Professorin Susanne Gerull (Alice-Salomon-Hochschule Berlin) erklärt, wie sich die Lage für wohnungslose Menschen verbessern lässt.
> Zum Podcast (Website)
> Zum Transkript der Episode (PDF-Format)

> Weitere Informationen zur Strategie "Starke Kinder - chancenreich" finden Sie unter der Rubrik Downloads

GesellschaftsReport „Kinderarmut und Migrationshintergrund“ und Förderaufruf

Der Report "GesellschaftsReport BW" wird von der FamilienForschung im Statistischen Landesamt im Auftrag des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg erstellt und bietet kurze und prägnante wissenschaftliche Analysen zu einem breiten Spektrum gesellschaftlich relevanter Themen. Jede Ausgabe beruht auf Ergebnissen der amtlichen Statistik und der sozialwissenschaftlichen Forschung, gibt Praxisbeispiele an die Hand und benennt sozialpolitische Handlungsfelder. Die GesellschaftsReports greifen immer wieder das Thema Armut und Armutsgefährdung auf.

Ausgehend von der hohen Armutsgefährdung von Kinder mit Migrationshintergrund und dem damit verbundenen Handlungsbedarf wurde das Thema GesellschaftsReport 2/2020 mit dem Titel „Arm ist nicht gleich arm: Armut bei Kindern mit Migrationshintergrund“ bearbeitet.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
- In Baden-Württemberg gelten rund 19,0% der Kinder und Jugendlichen als armutsgefährdet. Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund sind mit einer Armutsgefährdungsquote von 29,3% dabei ungleich häufiger von Armut bedroht als Kinder, die in Familien ohne Migrationshintergrund aufwachsen (10,5%).
- Der Report widmet sich der Frage, weshalb dieser Unterschied in der Armutsgefährdung zwischen Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund besteht und durch welche Faktoren er sich erklären lässt.
- Die Analysen machen sichtbar, dass knapp die Hälfte des Unterschieds in der Armutsgefährdungsquote durch typische Armutsrisikofaktoren wie bspw. den Bildungshintergrund der Eltern erklärt werden kann. Der restliche Unterschied ist vor allem auf migrationsspezifische Faktoren zurückzuführen.
- Es konnte herausgearbeitet werden, dass insbesondere mangelhafte deutsche Sprachkenntnisse in Familien mit Migrationshintergrund einen Beitrag zur Erklärung einer höheren Armutsgefährdung leisten. So kommt der deutschen Sprachkompetenz eine Schlüsselfunktion zur Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt zu.
- Der Report dokumentiert Ansätze der Armutsbekämpfung in Baden-Württemberg, mit denen durch gezieltes Mentoring und das Empowerment von Eltern und Kindern die Situation von Familien mit Migrationshintergrund verbessert und eine Reproduktion von Armut vermieden werden kann.
- Die vorgestellten Handlungsansätze zeigen, wie durch Sprachförderung, Vorbilder als Brückenbauer, niedrigschwellige Eltern- und Familienbildungsangebote sowie eine interkulturell sensible Gesellschaft die Folgen von Armut für Eltern und Kinder abgefedert werden können.

Als Folge aus dem Report hat das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration zwei Förderaufrufe veröffentlicht, um dieser Entwicklung entgegen zu wirken:

Mit dem Förderaufruf „Wir gehören dazu – Strategien zur Verbesserung der Chancen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ sollen zivilgesellschaftliche Organisationen zum Aufbau neuer Projekte ermutigt werden, die der Armutsgefährdung von Kindern mit Migrationshintergrund entgegenwirken und zur Verbesserung von Teilhabechancen trotz Armutsgefährdung beitragen. Neue Ideen sollen ausgetestet und neue Wege und Methoden vor Ort erprobt werden. Dafür wurden Fördermittel in Höhe von bis zu 300.000 Euro bereitgestellt.
> Liste der bewilligten Projekte

Durch den Förderaufruf „Elternmentorenprogramme“ sollen nachhaltige Beteiligungsformen für Eltern mit Migrationshintergrund am Bildungsweg ihrer Kinder sowie an den Regelstrukturen der Kommunen und des Bildungswesens entwickelt und gestärkt werden. Die Elternbeteiligung in den Kommunen soll quantitativ ausgebaut sowie überregional oder landesweit qualitativ weiterentwickelt werden. Gefördert werden können unter anderem Maßnahmen zur Gewinnung und Qualifizierung von ehrenamtlich Tätigen, zur Förderung der Elternbeteiligung, zur Vernetzung, zur überregionalen und landesweiten Qualifizierung von haupt- und ehrenamtlich Tätigen sowie Veranstaltungen zu Erfahrungsaustausch, Wissenstransfer, Qualitätsentwicklung und Vernetzung. Dafür wurden Mittel in Höhe von bis zu 320.000 Euro zur Verfügung gestellt.
> Liste der bewilligten Projekte

Einige Beispiele für Projekte, die im Dezember 2020 gestartet sind:
- Mehrsprachige Lernassistentinnen und Lernassistenten begleiten die Schülerinnen und Schüler mit Migrations- oder Fluchterfahrung direkt im Unterricht, aber auch im Nachgang bei der Hausaufgaben- bzw. offenen Lernzeit.
- Kinder sollen lernen, neue Medien kreativ zu nutzen und nicht nur zu konsumieren. Ihre Eltern können sich durch Kurse im Umgang mit Computern vertraut machen, damit sie ihre Kinder unterstützen können und die Angst vor der digitalen Welt verlieren.
- Junge Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund sollen durch nahezu gleichaltrige Tandem-Leader (Azubis 1./2. Ausbildungsjahr) an berufliche Bildung/Orientierung herangeführt werden.

> Weitere Informationen zur Strategie "Starke Kinder - chancenreich" finden Sie unter der Rubrik Downloads

Förderung von Elternmentorenprogrammen und Dolmetscherprojekten

Neu zugewanderte Familien haben häufig Probleme, sich in für sie neuen gesellschaftlichen Strukturen zu orientieren. Sie brauchen daher vielfältige Unterstützung. Dies gilt besonders für Eltern in Bezug auf ihre Kinder. Daher ist es von großer Bedeutung, die Erziehungs- und Bildungsverantwortung zu stärken. Hierzu können Elternmentorenprogramme Eltern insbesondere in Bildungsfragen und hier speziell an den Übergängen beraten und begleiten. Dies ermöglicht den Kindern die bestmöglichen Bildungschancen und schafft damit eine wichtige Voraussetzung für einen gesicherten sozialen Status.

> Zusammen mit dem GesellschaftsReport 2/2020 mit dem Titel „Arm ist nicht gleich arm: Armut bei Kindern mit Migrationshintergrund“ wurde ein  Förderaufruf „Elternmentorenprogramme“ veröffentlicht (beides PDF-Format).

Vor allem in der ersten Zeit nach der Einreise nach Deutschland verfügen Migrantinnen und Migranten meist noch nicht über ausreichende Deutschkenntnisse. Insbesondere beim Kontakt mit Behörden, aber auch im Gesundheitswesen sind daher Dolmetscherleistungen unerlässlich. Dolmetscherprojekte, in denen ehrenamtliche Dolmetscherinnen und Dolmetscher vermittelt und in der Regel qualifiziert werden sowie meist auch eine Aufwandsentschädigung erhalten, stellen Dolmetscherleistungen bereit, durch die Chancen von Migrantenfamilien auf soziale Teilhabe, insbesondere der Zugang zu Sozialleistungen verbessert und ein wichtiger Beitrag zu einem gesicherten finanziellen Auskommen von Familien geleistet wird. Dabei muss ein besonderes Augenmerk auf die Förderung sozial benachteiligter Familien gelegt werden.

Durch den Förderaufruf „Elternmentorenprogramme“ sollen nachhaltige Beteiligungsformen für Eltern mit Migrationshintergrund am Bildungsweg ihrer Kinder sowie an den Regelstrukturen der Kommunen und des Bildungswesens entwickelt und gestärkt werden. Die Elternbeteiligung in den Kommunen soll quantitativ ausgebaut sowie überregional oder landesweit qualitativ weiterentwickelt werden. Gefördert werden können unter anderem Maßnahmen zur Gewinnung und Qualifizierung von ehrenamtlich Tätigen, zur Förderung der Elternbeteiligung, zur Vernetzung, zur überregionalen und landesweiten Qualifizierung von haupt- und ehrenamtlich Tätigen sowie Veranstaltungen zu Erfahrungsaustausch, Wissenstransfer, Qualitätsentwicklung und Vernetzung. Dafür wurden Mittel in Höhe von bis zu 320.000 Euro zur Verfügung gestellt (siehe auch "GesellschaftsReport "Kinderarmut und Migrationshintergrund" und Förderaufruf").
> Liste der bewilligten Projekte (PDF-Format)
> Steckbriefe der Projekte (PDF-Format)

> Weitere Informationen zur Strategie "Starke Kinder - chancenreich" finden Sie unter der Rubrik Downloads

Förderprogramm gegen Kinderarmut im Rahmen des Europäischen Sozialfonds (ESF)

Das durch den Europäischen Sozialfonds und Landesmittel finanzierte, zweijährige Förderprogramm „Starke Kinder – chancenreich“ richtet sich vorrangig an Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse aber auch an deren Eltern. Ziel ist es, mit den Teilnehmenden armutsvermeidende Perspektiven zu erarbeiten und so die Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Dazu wählen die Projekte unterschiedliche Ansätze, unter anderem Unterstützung bei der Inanspruchnahme von öffentlichen Leistungen, psychosoziale und gesundheitliche Stabilisierung, aber auch Einsatz von Elementen der Erlebnispädagogik.
Das Förderprogramm mit einem Volumen von rund 5 Millionen Euro, davon 2,5 Millionen aus dem ESF, startet mit 9 Projekten zum Januar 2020 und endet am 31. Dezember 2021.

> Kurzbeschreibungen der Projekte "Starke Kinder" (PDF-Format)
> Landkarte mit Standorten der Projekte "Starke Kinder" in den Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg (PDF-Format)

> Weitere Informationen zur Strategie "Starke Kinder - chancenreich" finden Sie unter der Rubrik Downloads

Armuts- und Reichtumsberichterstattung, Gesellschaftsmonitoring und Zusammenarbeit mit dem Landesbeirat für Armutsbekämpfung und Prävention

Maßnahmen zur Armutsprävention und Milderung von Armutsfolgen benötigen eine Datenbasis. Diese hat der Erste Armuts- und Reichtumsbericht Baden-Württemberg (2015) bereitgestellt. Im Anschluss an diesen Bericht erfolgt eine Fortschreibung der Kerndaten im Wege eines regelmäßig aktualisierten Basisindikatorensatzes zum Themenkomplex Armut und Reichtum. Diese Basisindikatoren zu Armut und Reichtum wurden im Internet als Bestandteil des Gesellschaftsmonitorings BW veröffentlicht und sind damit für Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit stets verfügbar.

Das Land stellt zudem den Akteuren auf kommunaler Ebene, bei der Wohlfahrtspflege und in der Zivilgesellschaft, auf die es bei der Armutsprävention und der Verringerung von Armutsfolgen ganz entscheidend ankommt, Informationen zu guten Ansätzen gegen Kinderarmut zur Verfügung. Einige Projekte des Ideenwettbewerbs „Strategien gegen Armut“ haben sich dem Thema Kinderarmut gewidmet. Die FamilienForschung im Statistischen Landesamt hat diese Projekte und ihre Ergebnisse in einer Bilanz untersucht. Wegen des thematischen Zusammenhangs umfasst die Dokumentation ergänzend zwei vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg geförderte Leuchtturmprojekte aus Singen und Tübingen, bei denen systematisch Wege zur Bekämpfung der Kinderarmut beschritten wurden. Beispielhafte Projekte gegen Kinderarmut werden außerdem auf die Onlineplattform www.quartier2020-bw.de gestellt und mit dem Newsletter verschickt.

Kinderarmut ist auch ein Thema für die Zusammenarbeit mit dem Landesbeirat für Armutsbekämpfung und Prävention, in dem die im Sozialbereich tätigen Verbände, die Sozialpartner, die Kommunalen Landesverbände, die sozialpolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Landtagsfraktionen sowie die fachlich beteiligten Ministerien zusammenwirken. Der Landesbeirat trifft sich ein bis zweimal pro Jahr und beteiligt sich an der Umsetzung der Ergebnisse des Ersten Armuts- und Reichtumsberichts Baden-Württemberg sowie der nachfolgenden Sozialberichterstattung. Die im Landesbeirat vertretenen Partnerinnen und Partner sind in besonderer Weise aufgerufen, sich mit eigenen Beiträgen gegen Kinderarmut an der Strategie "Starke Kinder - chancenreich" zu beteiligen. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter den Rubriken Netzwerk und Veranstaltungen/Projekte.

> Weitere Informationen zur Strategie "Starke Kinder - chancenreich" finden Sie unter der Rubrik Downloads

Bericht zu Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg

Die FamilienForschung Baden-Württemberg im Statsitischen Landesamt wurde vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg beauftragt, einen Bericht zu Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg zu erstellen. Der Fokus liegt auf kommunalen Handlungsmöglichkeiten und zivilgesellschaftlichem Engagement und orientiert sich an den Zielgruppen und Handlungsfeldern der zur Strategie „Starke Kinder – chancenreich“ entwickelten Matrix.

Es handelt sich um eine multidimensionale Betrachtung der Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen.
Die wichtigsten Ergebnisse und zentralen Aussagen des Berichts nach Dimensionen der Lebenslage im Überblick:

Zu materielle Versorgung und Wohnen:
- In Baden-Württemberg ist fast jedes fünfte Kind armutsgefährdet (19 %). Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung Baden-Württembergs (16 %) sind Unter-18-Jährige damit stärker belastet. Innerhalb Baden-Württembergs zeigen sich aber erhebliche regionale Unterschiede bei der Armutsgefährdungsquote von Kindern und Jugendlichen.
- Ein besonders hohes Armutsrisiko haben Kinder von langzeiterwerbslosen Eltern (77 %), von allein erziehenden Eltern (41 %), Kinder in kinderreichen Haushalten (32 %) und Kinder mit Migrationshintergrund (30 %).
- Rund 14 % der armutsgefährdeten Haushalte mit Kindern geben an, die Wohnung nicht angemessen heizen zu können. In mehr als einem Drittel der Fälle konnten abgewohnte Möbel nicht ersetzt werden.
- Armutsgefährdete Haushalte mit Kindern waren etwa doppelt so hoch (31 %) von übermäßig hohen Wohnkosten betroffen als Haushalte oberhalb der Armutsgefährdungsgrenze mit Kindern (16 %). Besonders stark trifft dies Personen in Alleinerziehendenhaushalten und Langzeiterwerbslosenhaushalten mit Kindern.

Zu Bildung:
- Die Betreuungsquote der unter 3-Jährigen lag im Jahr 2020 bei insgesamt 30 %, wobei darunter Kinder mit Migrationshintergrund deutlich weniger sind als Kinder ohne Migrationshintergrund.
- Im Rahmen der Einschulungsuntersuchung 2019 wurde bei 32 % der Kinder im Alter von 4 bis 5 Jahren ein intensiver Sprachförderbedarf festgestellt. Dabei spielen Migrationshintergrund und soziale Herkunft eine große Rolle, genauso beim schulischen Erfolg.
- Der Armutssensibilität von Fachkräften in Kitas und (Grund-)Schulen kommt eine hohe Bedeutung zu, um Stigmatisierungen zu vermeiden und die Folgen von Armut zu begrenzen.

Zu soziale Integration und Beteiligung von Jugendlichen:
- 16 % der Jugendlichen haben nach eigenen Angaben zu wenig Geld die gewünschten Freizeitangebote wahrzunehmen. Kostenlose Angebote vor Ort sind vielen Jugendlichen nicht bekannt. Die Leistung für Bildung und Teilhabe unterstützen bei der Inanspruchnahme von Freizeitangebote, werden bislang aber nur wenig angerufen – zum Teil aus Angst vor Stigmatisierung.
- Eine Umfrage unter Kindern und Jugendlichen aus Baden-Württemberg zeigt, dass diese das Angebot an Spiel- und Sportplätzen sowie deren Sauberkeit in ihren Städten und Gemeinden als befriedigend bewerten. Wenn sie könnten, würden sie unter anderem die Attraktivität von Freizeitangeboten verbessern, Mobilität erleichtern, mehr politische Mitsprache ermöglichen, Kinderrechte weltweit durchsetzen und die Schule attraktiver gestalten.
- Mehr Mitbestimmung wünschen sich die Jugendlichen auf kommunaler Ebene bei der Gestal­tung von Schulen und Kindergärten sowie allgemein der Infrastruktur vor Ort (ÖPNV, Nutzung und Gestaltung des öffentlichen Raums).

Zu Gesundheit:
- Der Gesundheitszustand von armutsgefährdeten Kindern ist aus Sicht ihrer Eltern schlechter als der Kinder aus Familien ohne Armutsgefährdung (2017). Dabei gibt es ein Stadt-Land-Gefälle zulasten der (größeren) Städte.
- Im Rahmen der Einschulungsuntersuchungen 2019 wurde bei 27 % der 5-Jährigen in Baden-Württemberg eine auffällige Grobmotorik festgestellt.
- Für das gesunde Aufwachsen von Kindern spielt die Infrastruktur des Wohnumfeldes eine ent­scheidende Rolle.

Es gibt erste Annahmen, dass sich die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie langfristig gesehen negativ auf die Teilhabechancen, insbesondere von Kinder und Jugendliche aus armutsgefährdeten Familien auswirken. An zentralen Stellen im Bericht werden diese möglichen corona-bedingten Langzeitfolgen erörtert. Sorge bereiten z.B. die mögliche Verschärfung von Bildungsungleichheiten sowie die tatsächliche Verschlechterung der Lebenszufriedenheit und der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen während der Corona-Pandemie.

Bei der Erarbeitung der Studie wurden partizipative Elemente im Sinne einer Beteiligung der Zivilgesellschaft in Zusammenarbeit mit der Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung des Landes berücksichtigt.
> Ergebnis der Online-Beteiligung „Studie zu Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg“

In einem Kapitel werden Beteiligungsprozesse vorgestellt, die im Rahmen der Strategie und auch anderweitig stattgefunden haben. Im Rahmen eines Online-Fachgesprächs am 28. April 2021 wurde das Thema kommunale Beteiligung von Kindern und Jugendlichen vertieft und weitergedacht. Wir haben uns dabei auf die Frage konzentriert, was es gewissermaßen „obendrauf“ an Ressourcen und Infrastruktur braucht, um auch benachteiligte Kinder und Jugendliche in kommunalen Prozessen zu beteiligen, wie Beteiligung von benachteiligten Kindern und Jugendlichen gelingen kann und was es für gute Beispiele dafür gibt.
> Auswertung des Brainstormings der Teilnehmenden im Vorfeld des Fachgesprächs
> Auswertung des Chat-Protokolls während des Fachgesprächs

> Zum Bericht "Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg" (barrierefreies PDF)
> Weitere Informationen zur Strategie "Starke Kinder - chancenreich" finden Sie unter der Rubrik Downloads

Einbeziehung des Themas Kinderarmut in laufende Aktivitäten des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration

Das Thema Kinderarmut soll verstärkt in bereits laufende Maßnahmen des Ministeriums einbezogen werden. Umgekehrt sollten Ansätze des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration bei den Maßnahmen gegen Kinderarmut einbezogen werden.

Strategie „Quartier 2030 – Gemeinsam.Gestalten.“

Mit der Quartiersstrategie soll der Gedanke von lebendigen und sorgenden Quartieren in Baden-Württemberg in die Fläche getragen werden. Der Landesstrategie liegt ein ganzheitliches und zielgruppenübergreifendes Quartiersverständnis zugrunde. Gestärkt werden soll die Lebensqualität und Teilhabe von allen im Quartier lebenden Menschen. Dies schließt selbstverständlich auch von Armut betroffene Kinder und Familien ein.
Aus diesem Grund können vorhanden Angebote, wie z.B. Fördermittel, grundsätzlich auch für dieses Thema genutzt werden. Dies gilt es zukünftig noch deutlicher nach außen zu kommunizieren. Zur Sensibilisierung und Informationsvermittlung kann die Onlineplattform www.quartier2030-bw.de genutzt werden (z.B. weitere Praxisbeispiele und Arbeitshilfen aufnehmen; ggf. Newslettermeldungen zur Armutsprävention).
Des Weiteren sollen vorhandene Beratungsstrukturen im Bereich Quartiersentwicklung sensibilisieren (Gemeinsames Kommunales Kompetenzzentrum Quartiersentwicklung (GKZ.QE) und die AG Netzwerk Beratung Quartiersentwicklung).
Das im Jahr 2019 erarbeitete Fortbildungskonzept zur kommunalen Quartierskoordination und -steuerung bietet Angebote, die zur bedarfsgerechten und beteiligungsorientierten Quartiersentwicklung befähigen. Der personen- und sozial-raumbezogene Ansatz fokussiert auf alle Menschen im Quartier und schließt somit auch einkommensschwache Familien mit ein.

Bürgerschaftliches Engagement

Ziel der Engagementstrategie Baden-Württemberg ist es, dass sich alle Menschen in den Bereichen engagieren können, in denen sie es wünschen. Die Engagementförderung der Landesregierung ist in der Regel zielgruppenübergreifend und nicht an bestimmte Tätigkeitsfelder geknüpft. Einzig im Bereich der Integration gibt es derzeit besondere Förderungen, die jedoch fachlich ebenfalls auf das Zusammenleben aller Bürgerinnen und Bürger, unabhängig von Alter, Herkunft, Bildungshintergrund oder anderen Merkmalen erweitert wurde. Engagement von und für junge Menschen, insbesondere von und für solche mit eher geringeren Teilhabechancen, spielt damit in der Engagementpolitik – sowohl im Bereich der Integration als auch in anderen Bereichen – eine wichtige Rolle. Jede Form des Engagements schafft Teilhabe. Insofern sollte bei den zu ergreifenden Maßnahmen im Rahmen der Strategie „Starke Kinder“ das Gestaltungs- und Teilhabepotenzial, das von freiwilligem Engagement ausgeht, immer mitgedacht und in die einzelnen Programme/Maßnahmen mit einbezogen werden.

Europäischer Sozialfonds (ESF) Förderperiode 2021-2027

In der Förderperiode 2021-2027 sollen mindestens 25 Prozent des nationalen ESF-Fördervolumens für soziale Inklusion eingesetzt werden, davon 2 Prozentpunkte gegen materielle Deprivation (voraussichtlich Bundesprogramm). Insgesamt weist der Entwurf der ESF+-Verordnung eine gegenüber der jetzigen Förderperiode noch stärkere Fokussierung auf die Inklusion sozial benachteiligter Zielgruppen und auf die Schaffung gleicher Bildungs- und Beschäftigungschancen für alle auf. In diesem thematischen Zusammenhang soll auch das Thema „Kinderarmut“ in den Blick genommen werden.

> Weitere Informationen zur Strategie "Starke Kinder - chancenreich" finden Sie unter der Rubrik Downloads

Bestehende Maßnahmen, die mittelbar gegen Kinderarmut wirken

Zahlreiche Maßnahmen des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration richten sich nicht gezielt an Menschen in Armutsgefährdung, gleichwohl profitieren Menschen in Armutsgefährdung von diesen Maßnahmen in besonderem Maße.

Förderung der Familienbildung

Der Umgang mit den Herausforderungen, vor denen viele Familien stehen, setzt ein hohes Maß an Handlungs- und Erziehungskompetenz voraus. Für Eltern kann das Gespräch und der Austausch mit anderen Familien und Fachleuten in Familienbildungsveranstaltungen hilfreich sein. Offene Treffs und Veranstaltungen bieten neben der Vermittlung von Wissen und praktischen Fähigkeiten Gelegenheiten zur Begegnung und zum Erfahrungsaustausch. Themen wie Kindererziehung, Haushaltsführung und Ernährung, partnerschaftliche Kommunikation, das Spannungsfeld zwischen beruflichen und familiären Pflichten, der Umgang mit Medien, die Bewältigung familiärer Krisen oder besonderer Belastungssituationen gehören zu den Angeboten der Eltern- und Familienbildung und orientieren sich an den Bedarfen der Familien. Sie unterstützen Eltern dabei, ihre Kinder in ihrer jeweiligen Lebenslage verantwortungsvoll zu erziehen, ohne sich verunsichern zu lassen oder sich zu überfordern.
Familienbildung wird in Familienbildungsstätten oder Häusern der Familie, Familien- und Mütterzentren, Familienferienstätten, Volkshochschulen, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen, Schulen, Kindertageseinrichtungen und vielen weiteren Orten angeboten.

Mit dem Landesprogramm STÄRKE fördert das Land seit vielen Jahren Familienbildungsangebote in den Stadt- und Landkreisen und den Städten mit eigenem Jugendamt und unterstützt den Ausbau eines flächendeckenden Netzes an entsprechenden Angeboten für alle Familien in allen Familienphasen. Unterstützt werden auch Angebote, die auf Familien in besonderen Lebenslagen zugeschnitten sind (z.B. für Alleinerziehende, Familien mit kranken oder behinderten Angehörigen, Familien in finanziell prekärer Lage). Die geförderten Angebote erstrecken sich von niederschwelligen Offenen Treffs bis zu Familienbildungsfreizeiten für Familien in besonderen Lebenssituationen.

Zur Weiterentwicklung der Familienbildung hat das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration eine Rahmenkonzeption Familienbildung initiiert und finanziert, die das Netzwerk Familienbildung 2019 vorgelegt hat. Es fördert 2020/21 auch die Umsetzung dieser Rahmenkonzeption durch das Netzwerk.

Frühe Hilfen

Im Rahmen der Bundesstiftung Frühe Hilfen (BSFH) erhält das Land jährlich rund 5,0 Mio. Euro für Projekte und Maßnahmen sowie 0,3 Mio. Euro für die landesweite Koordinierung, die vom Kommunalverband Jugend und Soziales (KVJS)/Landesjugendamt wahrgenommen wird. Förderfähig sind die Maßnahmenbereiche Sicherstellung der Netzwerke Frühe Hilfen, psychosoziale Unterstützung von Familien durch spezifische Angebote Früher Hilfen sowie die Erprobung innovativer Maßnahmen und Implementierung erfolgreicher Modelle. Die örtlichen Schwerpunkte werden von den Jugendämtern entsprechend den jeweiligen Bedarfen gesetzt. Von den rund 5,0 Mio. Euro für Projekte und Maßnahmen können bis zu 300.000 Euro für landesweite oder modellhafte Projekte und Maßnahmen verwendet werden, über die nach Empfehlung der Landessteuerungsgruppe Frühe Hilfen vom Ministerium entschieden wird.
Als flankierende Maßnahme zur Bundesstiftung Frühe Hilfen (früher Bundesinitiative Frühe Hilfen) wurde vom Ministerium im Jahr 2013 das Netzwerk „Familienpatinnen und Familienpaten Baden-Württemberg“ ins Leben gerufen. Hierzu wurde beim Deutschen Kinderschutzbund – Landesverband Baden-Württemberg – eine vom Ministerium durch Zuwendungen aus dem Staatshaushaltsplan geförderte Zentrale Koordinierungsstelle errichtet, die als Anlauf- und Beratungsstelle für Kommunen, Landkreise und freie Träger im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe in Baden-Württemberg dient. Fachliche Basis für die Tätigkeit der Zentralen Koordinierungsstelle bildet ein weiterentwickeltes Konzept des Deutschen Kinderschutzbundes. Die Zentrale Koordinierungsstelle befördert landesweit mit hoher fachlicher und administrativer Kompetenz den qualifizierten Ausbau der Familienpatenschaften nach verlässlichen Qualitätsstandards.

Schulsozialarbeit

Mit dem Abschluss des „Pakts für Familien mit Kindern“ ist die Landesregierung 2011 wieder in die finanzielle Förderung der Jugendsozialarbeit an öffentlichen Schulen (Schulsozialarbeit) eingestiegen. Mit den kommunalen Landesverbänden wurde vereinbart, dass sich das Land ab 2012 zu einem Drittel an den Kosten der Schulsozialarbeit bis zu einer Höhe von 15 Millionen Euro beteiligt.
Familiäre und soziale Verhältnisse, in denen Kinder und Jugendliche aufwachsen, sind sehr unterschiedlich und üben Einfluss auf das Schulleben und – noch immer – auf den individuellen Bildungserfolg aus. Schulsozialarbeit orientiert sich an der gleichberechtigten Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen und soll Zugänge zu entwicklungsfördernden Angeboten eröffnen. Mit ihrem breiten Tätigkeitsspektrum trägt sie zur Konfliktbewältigung an der Schule, zur Stabilisierung des Schulerfolgs, zur Eingliederung in die Arbeitswelt und zur gesellschaftlichen Integration bei. Die Schulsozialarbeit ist ein wichtiger Baustein einer kommunalen Bildungslandschaft und gilt inzwischen als Qualitätsmerkmal einer guten Schulkultur.
Seit dem Wiedereinstieg in die Förderung stellt das Land bis 2018 über 130 Millionen Euro zur Verfügung. Das Landesförderprogramm hat den Ausbau der Schulsozialarbeit beschleunigt und wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Anzahl der Beschäftigten von 1.286 auf 2.470 (Stand: 31. Juni 2018) erhöht hat. Dies bedeutet einen enormen Anstieg um rund 100 Prozent. Beinahe jede zweite Schule bietet heute Schulsozialarbeit an und zwar in jedem Stadt- und Landkreis.

Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

Die Landesregierung hat es sich zur Aufgabe gemacht, allen Kindern und Jugendlichen gute Zukunftschancen zu eröffnen. Hierzu wurde der in der vergangenen Legislaturperiode entwickelte Zukunftsplan Jugend durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration unter Einbindung aller beteiligten Akteure zum Masterplan Jugend ausgebaut.
Ziel des Masterplans Jugend ist es, die Kinder- und Jugendarbeit und die Jugendsozialarbeit, die durch Angebote der non-formalen und informellen Bildung zum gelingenden Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen beitragen, nachhaltig zu stärken, damit sie auch in Zukunft den sich immer schneller wandelnden organisatorischen und inhaltlichen Herausforderungen gewachsen sind. Zu diesem Zweck hat das Ministerium für Soziales und Integration in enger Abstimmung mit allen betroffenen Partnerinnen und Partnern die jugendpolitischen Anforderungen in den Blick genommen und neben Themen wie Integration, Vielfalt und Demokratie- und Medienbildung das Thema Partizipation gezielt aufgegriffen.
Dass das Land mit dieser Schwerpunktsetzung auf dem richtigen Weg ist, bestätigt auch die im vergangenen Jahr veröffentlichte Shell Jugendstudie „Eine Generation meldet sich zu Wort“, nach der 84 Prozent der befragten jungen Menschen in der Politik mehr zu sagen haben möchte. In den vergangenen Jahren hat das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration bereits mehrere großartige Projekte gemeinsam mit den Partnerinnen und Partnern auf den Weg gebracht, mit denen die politische und gesellschaftliche Beteiligung von Kindern und Jugendlichen nachhaltig unterstützt wird. Hierzu zählen unter anderem die Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung, das Programm „Vielfalt in Partizipation“ und das Projekt „Jugendgemeinderäte 4.0 – Mitwirkung. Teilhabe. Demokratie“.
Die Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung kümmert sich um die Qualifizierung, Beratung und Begleitung von Jugendinitiativen, Akteurinnen und Akteuren der Kinder- und Jugendarbeit sowie der Jugendsozialarbeit. Weitere Aufgaben sind die Koordinierung und kontinuierliche Weiterentwicklung von Beteiligungsstrukturen im Jugendbereich sowie die Stärkung der öffentlichen Wahrnehmung und die Würdigung der Partizipationsprojekte junger Menschen. Einzigartig in Baden-Württemberg wird die Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung in dreigeteilter Trägerschaft aus Landesjugendring Baden-Württemberg e.V., der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit Baden-Württemberg und der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Baden-Württemberg e.V. betrieben.
Bei dem Förderprogramm „Vielfalt in Partizipation“ des Landesjugendrings Baden-Württemberg e.V. geht es darum, Projekte zur Stärkung der Kinder- und Jugendbeteiligung - auch von Jugendinitiativen ohne formale Trägerschaft - zu unterstützen. Das Spektrum reicht dabei von kommunalen Antragstellern, die gemeinsam mit Jugendlichen Skateanlagen und Umbauten von Jugendhäusern planen, bis hin zu selbstorganisierten Theatergruppen mit Geflüchteten. Die geförderten Projekte setzen damit im direkten Lebensumfeld der Jugendlichen an und zeigen ihnen, wie sie dieses durch ihre Beteiligung und ihr Engagement verändern können.
Das Projekt „Jugendgemeinderäte 4.0 - Mitwirkung. Teilhabe. Demokratie.“ des Dachverbands der Jugendgemeinderäte Baden-Württemberg e.V. zielt darauf ab, die Entwicklung von Kooperationen zwischen Jugendgemeinderäten, der örtlichen SchülerMitVerantwortung und anderen Formen der Jugendbeteiligung an verschiedenen Standorten in Baden-Württemberg zu fördern. Jugendliche werden zudem als kommunale Botschafterinnen und Botschafter zur Unterstützung anderer Jugendlicher bei der Umsetzung von Beteiligungsformaten qualifiziert.

Europäischer Sozialfonds (ESF) Förderperiode 2014-2020

Im Rahmen der laufenden ESF-Förderperiode 2014-2020 werden unterschiedliche Projekte gefördert, die auf die Bekämpfung von Kinderarmut mittelbar – weil an die Eltern adressiert – und unmittelbar – weil an Jugendliche adressiert – ausgerichtet sind.

Beispiele:
- Eine Vielzahl von Projekten unterstützt die nachhaltige Integration von Langzeitarbeitslosen, prekär Beschäftigten sowie Berufsrückkehrerinnen und Berufsrückkehrer in den Arbeitsmarkt. Die neueren Projekte arbeiten verstärkt mit einem ganzheitlichen Ansatz, bei dem das gesamte Umfeld und somit auch die Situation der Kinder, berücksichtigt werden.
- Weitere Projekte zielen auf die Verbesserung der Übergangs- und Ausbildungssituation von jungen Menschen auch mit besonderem Förderbedarf. Junge Menschen, die weder einen Arbeitsplatz haben noch eine schulische oder berufliche Ausbildung absolvieren, darunter junge Menschen, denen soziale Ausgrenzung droht und die Randgruppen angehören, werden bei einer dauerhaften Eingliederung in den Arbeitsmarkt unterstützt.
- Ein spezielles Förderprogramm unterstützt Alleinerziehende bei ihrem Bemühen um einen Ausbildungsplatz in Teilzeit.
- Projekte zur Förderung der sozialen Inklusion und Bekämpfung von Armut und jeglicher Diskriminierung. Arbeitsmarktferne Zielgruppen wie zum Beispiel Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen in prekären Lebensverhältnissen und mit psychosozialen Problemlagen werden im Rahmen dieser Projekte unterstützt. Auch können die Kinder, die im Haushalt von Teilnehmenden leben, von der Förderung profitieren
- In der regionalen ESF-Förderung richten sich zahlreiche ESF-Projekte an: Schülerinnen und Schüler ab der 7. Jahrgangsstufe, die von Schulversagen und Schulabbruch bedroht sind und die von schulischen Regelsystemen nicht oder nicht mehr ausreichend erreicht werden können sowie ausbildungsferne und zum Teil marginalisierte junge Menschen, die von regelhaften Angeboten der Übergangs- und Ausbildungssysteme bzw. der Jugendsozialarbeit und der Jugendberufshilfe nicht oder nicht mehr ausreichend erreicht werden können. Maßnahmen richten sich gezielt an „entkoppelte“ Jugendliche, die oft unmittelbar von materieller Deprivation und gesellschaftlicher Marginalisierung bedroht sind.

Förderung der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder psychisch erkrankter Eltern

Die psychische Erkrankung von Eltern oder eines Elternteils kann mit unmittelbaren ökonomischen Konsequenzen für die betroffenen Familien verbunden sein, wenn sie zu einer Einschränkung der Arbeits- oder Berufsfähigkeit führt oder Arbeits- bzw. Berufsunfähigkeit eintritt. Darüber hinaus haben Kinder, die mit psychisch erkrankten Eltern oder einem psychisch kranken Elternteil zusammenleben, nach den vorliegenden Erkenntnissen aufgrund verschiedener Faktoren ein erhöhtes Risiko, selbst eine psychische Störung zu entwickeln. Bei unbehandelten, aber auch bei unzureichend behandelten psychischen Störungsbildern droht für die Betroffenen die Gefahr einer Chronifizierung, die ungünstige Auswirkungen auf die Schul- und Berufsausbildung und damit auf die spätere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben haben kann. Vor diesem Hintergrund ist es geboten, präventive Hilfsangebote flächendeckend in Baden-Württemberg zu implementieren. Ziel dieser Hilfsangebote ist es, die betroffenen Kinder in ihren kindlichen Kompetenzen und Bewältigungsstrategien zu unterstützen (Resilienzstärkung) und psychischen Erkrankungen vorzubeugen.
Die Landesarbeitsgemeinschaft Baden-Württemberg Kinder psychisch erkrankter Eltern (LAG KipkE) wurde im Jahr 2015 von verschiedenen Institutionen im Land gegründet, um bestehende Hilfen für Kinder psychisch erkrankter Eltern miteinander zu vernetzen, die Öffentlichkeit über bestehende Angebote zu informieren und die Interessen der Betroffenen zu vertreten. Es wird eine flächendeckende Versorgungsstruktur der Hilfsangebote in Baden-Württemberg angestrebt, wobei es vor allem um eine bessere Verzahnung der Jugendhilfe und des Gesundheitssystems geht. Die inzwischen 48 Institutionen (2016: 40), die sich in der LAG KipkE zusammengeschlossen haben, bieten insbesondere niederschwellige Unterstützungsangebote für betroffene Kinder und deren Eltern an. Diese Angebote sollen sich präventiv, unterstützend und entlastend auf die Kinder und deren Familien auswirken und psychischen Erkrankungen der Kinder vorbeugen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Primärprävention.
Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung fördert das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration die LAG KipkE BW im Rahmen des „Kinderlands Baden-Württemberg“ durch Zuschüsse aus dem Staatshaushaltsplan. Mit dieser Förderung werden die Tätigkeit und der Ausbau der Aktivitäten der LAG KipkE unterstützt. Mit einem Teil dieser Mittel wird ein im Jahr 2020 geplanter Kongresses vorbereitet.

Integrationsmanagement

Das Land Baden-Württemberg hat im Jahr 2017 mit seinen Kommunen einen bundesweit einzigartigen Pakt für Integration geschlossen, um geflüchtete Menschen, die auf längere Sicht im Land bleiben, gezielt zu unterstützen. Die Hilfe besteht aus strukturierten Angeboten für Geflüchtete, die in einer möglichst frühen Phase ansetzen und an den individuellen Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet sind. Der Pakt beinhaltet die vier Förderbereiche: Integrationsmanagement, Schule und Übergang zum Beruf, Sprachförderung sowie Bürgerengagement.
Das Integrationsmanagement ist das Kernstück des Paktes für Integration. Aktuell sind rund 1.200 Integrationsmanagerinnen und -manager in Baden-Württemberg tätig. Ziel des Integrationsmanagements ist es, Hilfe zur Selbsthilfe nach dem Prinzip des Case-Managements zu leisten und dadurch die Selbständigkeit und Handlungsfähigkeit von geflüchteten Personen in der Anschlussunterbringung zu stärken. Die Geflüchteten sollen in die Lage versetzt werden, sich einen Überblick über vorhandene Strukturen und Angebote im Bereich Integration und Teilhabe zu verschaffen und diese selbständig zu nutzen.
Die Integrationsmanagerinnen und Integrationsmanager sind eng in die vorhandenen Strukturen und Netzwerke vor Ort eingebunden und bieten Beratung und Begleitung aus einer Hand an. Die Beratung durch die Integrationsmanagerinnen und –manager erfolgt, wo nötig, auch in Form eines aufsuchenden Angebots. Anhand von gemeinsam mit den Geflüchteten erarbeiteten Integrationsplänen wird der persönliche Integrationsprozess transparent aufgezeigt und gezielt begleitet. Das Angebot basiert auf Freiwilligkeit.

Sprachförderung

Das Erlernen der deutschen Sprache ist für Migrantinnen und Migranten die wichtigste Grundlage für eine gelingende Integration und insbesondere dafür, eine Erwerbstätigkeit aufnehmen zu können. Dies eröffnet ihnen letztlich die Möglichkeit, für sich und ihre Kinder eine gesicherte Existenz aufzubauen.
Das Land unterstützt daher im Rahmen der Verwaltungsvorschrift Deutsch für Flüchtlinge die Stadt- und Landkreise bei der Durchführung von Sprachkursen für Migrantinnen und Migranten, insbesondere Asylbewerberinnen und -bewerber, die (noch) keinen Zugang zu den Sprachkursen des Bundes haben. Dieses Angebot unterstützt dasjenige des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge und kommt auch Migrantinnen und Migranten mit unsicherer Bleibeperspektive zu Gute. Im Förderzeitraum 2018/19 wurden 39 Stadt- und Landkreise gefördert und insgesamt ca. 4,3 Millionen Euro bewilligt. Dabei wird davon ausgegangen, dass diese Förderung ca. 60 Prozent der tatsächlich entstehenden Kosten abdeckt.
Neu hinzugekommen sind im Jahr 2018 spezielle Intensivkurse zwischen Schule und Beginn der Ausbildung sowie Kurse zur Begleitung von Maßnahmen zur Einstiegsqualifizierung. Dadurch soll die Ausbildungsfähigkeit von Migrantinnen und Migranten verbessert werden. Seit 2019 gibt es darüber hinaus Eltern- oder Frauenkurse mit Kinderbetreuung und berufsbegleitende Kurse für Erwerbstätige in Teilzeit.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Unbegleitete minderjährige Ausländerinnen und Ausländer (UMA) bilden eine vulnerable Zielgruppe innerhalb der Jugendhilfe, für die es gilt, auch in Kooperation mit anderen Hilfesystemen bedarfsgerechte Strukturen und Angebote sicherzustellen. Insbesondere stehen der individuelle Unterstützungsbedarf mit dem Ziel der gesellschaftlichen, sozialen und beruflichen Integration sowie ihre Verselbständigung im Vordergrund.

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Maßnahmen des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz

Ernährungsstrategie Baden-Württemberg

Mit der Ernährungsstrategie Baden-Württemberg leistet das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz auch einen Beitrag zur Verbesserung der Ernährungssituation von Familien in prekären Lebenssituationen (Leitsatz 8), denn Entwicklungsrisiken wie ungesunde Ernährung, Übergewicht oder Verhaltensauffälligkeiten treten bei sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen häufiger auf. Gesundheitliche Ungleichheiten stehen in Zusammenhang mit dem Essverhalten. Eine soziallagenbezogene Gesundheitsförderung kann dabei helfen, gesundheitliche Ungleichheiten abzubauen. Diese findet zu allererst in den Lebenswelten wie Kitas, Schulen und Stadtteil statt. Die Sicherstellung eines qualitätsvollen Angebots in der Gemeinschaftsverpflegung stellt daher einen wichtigen Ansatzpunkt für eine wirksame Verhältnisprävention in der Ernährungspolitik des Landes dar, die insbesondere den Kindern und Jugendlichen durch attraktive Essensangebote in ihrer Lebenswelt eine ausgewogene Ernährung basierend auf den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung erleichtert. Das Landeszentrum für Ernährung berät interessierte Einrichtungen bei der Optimierung der Mittagsversorgung in Kita und Schule.

> Weitere Informationen zu Unterstützungsangeboten zu Kita- und Schulverpflegung in Baden-Württemberg

Fit im Alltag und Bewusste Kinderernährung (BeKi)

Mit „Fit im Alltag“ wurde ein Workshop-Konzept entwickelt, bei dem das hohe Präventionspotential von Ernährungsgewohnheiten im Zentrum steht. Alleinerziehenden-Treffs, Elternschulen, wie z.B. family help, und Familienbildungsstätten können so Maßnahmen mit praktischen Hilfen zu ausgewogener, preisgünstiger Ernährung und Haushaltführung vom Einkauf über Lagerung bis zur Zubereitung anbieten. Ein wichtiger Aspekt ist daneben das Ermöglichen von Teilhabe und Austausch der Kursteilnehmenden untereinander.

Auch Gemeinden, die an der Landesinitiative „Gesund aufwachsen und leben in Baden-Württemberg“ teilnehmen, profitieren von den zahlreichen Angeboten des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Neben den oben aufgeführten Maßnahmen stehen ihnen die Angeboten der Landesinitiative BeKi – Bewusste Kinderernährung über die Landkreise flächendeckend in Baden-Württemberg zur Verfügung.

EU-Schulprogramm mit Obst, Gemüse und Milch

Seit dem Schuljahr 2017/18 setzt die Landesregierung das „EU-Schulprogramm mit Obst, Gemüse und Milch“ um. Mit dem EU-Schulprogramm erhalten Kinder in Kitas und Grundschulen regelmäßig eine kostenlose Extraportion Obst, Gemüse, Milch & Milchprodukte. Kinder kommen damit auf den Geschmack dieser Lebensmittel und lernen bereits in jungen Jahren ganz nebenbei, sie in ihren Essalltag zu integrieren. Durch die pädagogische Begleitung des Programms erfahren Kinder mehr über die Herkunft von Lebensmitteln, über die Vielfalt der Produkte und über eine ausgewogene Ernährungsweise. Zudem stärken sie wichtige Kompetenzen im Umgang mit Lebensmitteln.
Im Schuljahr 2019/2020 nehmen in Baden-Württemberg 4.900 Schulen im Primarbereich und Kitas mit rund 415.000 Kindern am EU-Schulprogramm teil.

Maßnahmen des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus

Beschäftigungsförderung und Jugendhilfe gemeinsam anpacken – BeJuga

Kinder aus Familien im Sozialleistungsbezug werden im späteren Leben häufiger ebenfalls sozialhilfeabhängig. Sie haben wesentlich schlechtere Entwicklungs- und Bildungschancen. Dies ist nicht nur darauf zurückzuführen, dass sie durch das Aufwachsen in Armut soziale Ausgrenzung erleben und ihnen gesellschaftliche Teilhabemöglichkeiten verschlossen bleiben, sondern nicht zuletzt auch darauf, dass ihnen positive Vorbilder fehlen. Oftmals wohnen diese Familien in prekären Stadtteilen, ist das Wohnumfeld schwierig oder die Familie sogar von Wohnungslosigkeit bedroht, was ein gutes Aufwachsen und eine positive Entwicklung ebenfalls erschwert.
Um Armut und Perspektivenlosigkeit von Kindern und Jugendlichen entgegenzutreten und generationenübergreifende Abhängigkeit von Sozialleistungen zu vermeiden, rückt der Unterstützung von Familien im SGB II-Leistungsbezug ab 2020 in den Fokus des Landesarbeitsmarktprogramms „Neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt“.

Seit Juli 2017 erprobt das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus (WM) daher zunächst an zwölf Standorten wie Eltern und Alleinerziehenden im SGB II-Leistungsbezug und ihre Kinder (im Folgenden: Bedarfsgemeinschaften mit mindestens einem minderjährigen Kind) besser unterstützt werden können. Ziel ist es, Bedarfsgemeinschaften mit mindestens einem minderjährigen Kind im Land Baden-Württemberg ganzheitlich zu unterstützen und ihnen einen niederschwelligen Zugang zu weiterführenden Beratungs-, Betreuungs- und Beschäftigungsangeboten zu ermöglichen. Durch die aufsuchende Betreuung und die vielfältigen Hilfestellungen im Rahmen von BeJuga wird die familiäre Situation insgesamt verbessert, die Chancen der Eltern auf eine Integration ins Erwerbsleben erhöht und die Kinder- und Jugendlichen in ihrer Entwicklung gestärkt und begleitet. Dabei soll auch die Überwindung von Geschlechterstereotypen und die Erweiterung des Berufswahlspektrums von Frauen und Männern mit in den Blick genommen werden. Ein weiteres Ziel des Projekts ist es, die Zusammenarbeit von Jobcentern, Beschäftigungsträgern sowie den öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe zu verstärken.
Um die erzielten Erfolge und bisher aufgebauten Strukturen zu verstetigen und eine bessere Abdeckung des Landes mit entsprechenden Angeboten zu erreichen, wird BeJuga seit dem 1. Januar 2020 auf zweiundzwanzig Modellregionen ausgeweitet sowie die Fördersumme pro Jahr und Standort erhöht.

> Download des Evaluationsberichts zum Modellprojekt „Beschäftigungsförderung und Jugendhilfe gemeinsam anpacken“ (BeJuga) (Website)
> Vorstellung von BeJuga beim Kick-Off des Schwerpunktjahres 2020 gegen Kinderarmut am 5. März (PDF-Format)

Förderung Netzwerk Teilzeitausbildung

Berufliche Ausbildung bildet eine zentrale Voraussetzung für die Existenzsicherung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Eine Ausbildung in Vollzeit stellt insbesondere für sehr junge Mütter und Väter, Alleinerziehende oder Menschen, die Angehörige pflegen vor große Herausforderungen. Die bei der LAG Mädchenpolitik angesiedelte Geschäftsstelle des Netzwerks Teilzeitausbildung informiert seit 2011 landesweit über die Möglichkeit zur Teilzeitausbildung und fördert über ein breites Bündnis von Partnerinnen und Partnern aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Öffentlichkeit die Umsetzung und Verbreitung der Teilzeitausbildung in Baden-Württemberg. Es setzt sich damit für eine selbstbestimmte Berufswegeplanung und eine gesicherte Zukunft junger Mütter und Väter sowie von Personen mit Pflegeaufgaben ein. Die Förderung des Netzwerks Teilzeitausbildung wird erstmalig seit 2015 erhöht.

Maßnahmen des Ministeriums für Verkehr

RadSTRATEGIE Baden-Württemberg

Für Kinder und Jugendliche sind – ebenso wie für Seniorinnen und Senioren – die Möglichkeiten der Mobilität im Nahbereich oft entscheidend dafür, wie groß der selbstständig und gefahrenlos erfahrbare Lebensraum ist.
Finanzschwache Familien leiden überproportional unter Lärm und Luftverschmutzung und mangelnder Aufenthaltsqualität, da sie aus Kostengründen häufiger an stark befahrenen Straßen wohnen müssen. Sie sind stärker auf die Verkehrsmittel des Umweltverbundes angewiesen.
Das Verkehrsministerium strebt eine kommunale Verkehrswende an, die eine sichere und möglichst barrierearme Mobilität zu Fuß und per Rad im Nahbereich ermöglicht, die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum erhöht und so insbesondere auch finanzschwachen Familien zu Gute kommt.
Ein zentraler Baustein der Verkehrswende ist die Schaffung von 500 lebendigen und verkehrsberuhigten Ortsmitten bis 2030. Ebenfalls bis 2030 soll die Hälfte aller Wege selbstaktiv zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden. Hierzu ist der Ausbau einer fahrrad- und fußgängerfreundlichen Infrastruktur ebenso unerlässlich wie die Förderung der eigenständigen Mobilität von Kindern und Jugendlichen im Bereich Rad- und Fußverkehr. Mit der Umsetzung dieser Ziele schafft das Ministerium für Verkehr eine wesentliche Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe.

Die von der Landesregierung beschlossene und im Koalitionsvertrag verankerte RadSTRATEGIE Baden-Württemberg ist der Fahrplan für die gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Radverkehrsförderung bis 2025. In der RadSTRATEGIE ist ein eigenes Handlungsfeld „Soziale Dimension“ enthalten – aufgeteilt in die Teilbereiche „Gesellschaftliche Teilhabe“ und „Gesundheit“. Ein Ziel der RadSTRATEGIE ist es, dass bis 2025 jedes Kind in Baden-Württemberg Zugang zu einem geeigneten Fahrrad hat.
Der sozialpolitische Gewinn des Fahrrades wird in der RadSTRATEGIE klar kommuniziert. Sowohl in der Politik als auch in der Bevölkerung soll ein Bewusstsein für Chancen und erforderliche Rahmenbedingungen für die gesellschaftliche Teilhabe durch Radfahren geschaffen werden.
Kindern und Jugendlichen sollen Kompetenzen zum selbstständigen Radfahren und die Bewegungsförderung u.a. in Kindertageseinrichtungen und über die gesamte Schullaufbahn hinweg vermittelt werden.

> Weitere Informationen zu "RadKULTUR Baden-Württemberg" (Website)
> Weitere Informationen auf dem Informationsportal zur Radverkehrsförderung Baden-Württemberg

Modellprojekt zum Thema Schulwegsicherheit

Das Verkehrsministerium unterstützt die eigenständige und sichere Mobilität vor allem von Kindern unabhängig von ihrer sozialen Situation. So hat beispielsweise die Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußgängerfreundlicher Kommunen Baden-Württemberg mit finanzieller Förderung des Verkehrsministeriums aktuell ein Modellprojekt zum Thema „Schulwegsicherheit“ in Bearbeitung, das die Verkehrssicherheit vor Grundschulen in Baden-Württemberg erhöhen möchte, indem Grundschulkinder für den Fußverkehr zur Schule sensibilisiert und gleichzeitig Eltern und Kinder motiviert werden, zu Fuß statt mit dem Auto zur Schule zu kommen.

Der digitale Schulwegplaner ermöglicht allen Schulen, Städten und Gemeinden die einfache und kostenfreie Erstellung von digitalen Schulwegplänen. Mit dem neuen Tool können Kinder und Jugendliche gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern die Geh- und Radrouten auf dem Weg zur Schule erheben und Problemstellen markieren. Diese Daten können an die Kommunen übermittelt werden, die wiederum die empfohlenen Schulwege und sicheren Routen ausweisen.

Das Verkehrsministerium plant, die Aktivitäten zur Förderung einer eigenständigen Mobilität von Kindern und Jugendlichen zu Fuß und mit dem Rad zu verstärken und so die Zahl der Elterntaxis vor Schulen zu reduzieren.
Um Unfälle von Kindern und Jugendlichen im Straßenverkehr zu reduzieren, legt das Ministerium für Verkehr zudem gemeinsam mit dem Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen sowie dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport im Rahmen der landesweiten Verkehrssicherheitsaktion GIB ACHT IM VERKEHR den Schwerpunkt auf Schulwege.

> Weitere Informationen zum Pilotprojekt "Schulweghelden"
> Weitere Informationen zum Projekt "RadHELDEN"

Ortsmitten – gemeinsam barrierefrei und lebenswert gestalten

Das gemeinsam vom Ministerium für Verkehr, dem Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz und dem Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration konzipierten und von der NVBW umgesetzten Projekt „Ortsmitten – gemeinsam barrierefrei und lebenswert gestalten“ verfolgt das Ziel, in bis zu 20 Kommunen Ortsmitten mit einer hohen verkehrlichen Erschließung für den ÖPNV und den Fuß- und Radverkehr sowie einer hohen Aufenthaltsqualität und Barrierefreiheit zu schaffen. Dadurch sollen Ortsmitten mit lebenswerten Straßenräumen und einer hohen Gestaltungsqualität entwickelt werden, die sich als identitätsbildende Treffpunkte für alle Generationen eignen. Ältere und junge Menschen sollen sich dort gerne aufhalten und sich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV sicher bewegen können. Das Projekt legt den Grundstein für die Schaffung von 500 lebendigen, verkehrsberuhigten, sicheren und begrünten Ortsmitten in Baden-Württemberg bis 2030.

Das Projekt gehört zu den acht Themenfeldern, in denen der gesellschaftliche Zusammenhalt in Baden-Württemberg gefördert werden soll. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf der Website "Na klar, zusammen halt...".

Fußverkehrsförderung

Als Instrument für eine systematische Fußverkehrsförderung haben sich die seit 2015 jährlich durchgeführten Fußverkehrschecks bewährt. Bei diesem partizipativen Verfahren bewerten Bürgerinnen und Bürger, Politik und Verwaltung gemeinsam die Situation des Fußverkehrs vor Ort. In Workshops und Begehungen erfassen sie die Stärken und Schwächen im örtlichen Fußverkehr und erarbeiten Vorschläge, wie die Wege zu Fuß künftig noch attraktiver und sicherer gestaltet werden können. Die Gruppe der Schulkinder ist dabei eine der Schwerpunkte in der Bewertung.

Im Herbst 2020 wird der Nationale Fußverkehrskongress in Stuttgart stattfinden. Schwerpunktmäßig wird der Kongress vor allem die Themen Kinder und alte Menschen sowie soziale Teilhabe und Gerechtigkeit aufgreifen. Beide Zielgruppen – Kinder und alte Menschen – sind auf eine komfortable und sichere Fußverkehrsinfrastruktur angewiesen und sollen in kommunale Entscheidungsprozesse künftig stärker berücksichtigt werden.

> Weitere Informationen zum Projekt "Fußverkehrs-Checks"
> Weitere Informationen zum Projekt "Mehr und sichere Fußgängerüberwege"

Maßnahmen des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport

S(chule)M(acht)S(tark) - Gemeinsame Initiative von Bund und Ländern zur Unterstützung von Schulen in sozial schwierigen Lagen

1. Vorstellung des Projekts

Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg ist in Deutschland noch immer stark ausgeprägt. Schulen in sozial schwierigen Lagen existieren in allen Schulformen. Ihre Herausforderungen sind komplex; häufig stehen nachfolgende Risiken einer erfolgreichen Bildungsbiografie entgegen: Aufwachsen in einem armutsgefährdeten Haushalt, formal gering qualifizierte und/oder erwerbslose Eltern.
Studien belegen, dass der Einfluss gerade dieser Schulen auf das Lernen ihrer oftmals bildungsbenachteiligten Schülerschaft besonders groß ist.

Ziele der Initiative:
Übergeordnetes Ziel der bundesweiten Initiative von Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Länder ist es, die Chancen- und Bildungsgerechtigkeit für sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler zu verbessern.
In die auf zehn Jahre angelegte Initiative werden bundesweit 200 Schulen einbezogen; nach fünf Jahren erfolgt in einer zweiten Projektphase eine Übertragung auf weitere Schulen. Aus Baden-Württemberg nehmen zunächst 26 Schulen teil, deren Auswahl auf folgenden Kriterien basiert: sozialräumliche Daten, administrative/schulaufsichtliche Bewertung und schulische Daten.

Struktur der Initiative:
(1) Phase 1 (5 Jahre):

  • Schul- und Unterrichtsentwicklung: Die Schul- und Unterrichtsentwicklung soll mit wissenschaftlicher Begleitung neu- bzw. weiterentwickelt werden. Ziele sind u.a. der Erwerb fehlender Basiskompetenzen in Deutsch (Textverständnis/ Schreibflüssigkeit/Rechtschreibung) und Mathematik sowie die praxisnahe Erprobung von Wegen bzw. Lernmethoden, um persönliche Arbeitshaltungen, ein positives Selbstkonzept und soziale Kompetenzen zu stärken.
  • Vernetzung von Schulen mit ihrem sozialräumlichen Umfeld, um vorhandene Unterstützungsangebote gezielt zu nutzen.

(2) Phase 2 (5 Jahre): Transfer auf weitere Schulen
Die von Wissenschaft und Praxis neu- bzw. weiterentwickelten Unterrichtskonzepte sollen verstetigt und auf weitere Schulen übertragen werden.

Zeitplan der Initiative:
Bis Oktober 2020 erfolgt die Auswahl der Schulen. Für Januar 2021 ist der bundesweite Projektstart vorgesehen. Die Umsetzung der Initiative startet in den beteiligten Schulen zum Schuljahresbeginn 2021/2022.

2. Umsetzung des Projekts in Baden-Württemberg

Es ist wichtig, dass die Entwicklungspotentiale der Schülerinnen und Schüler der beteiligten Schulen identifiziert und gefördert werden. Für die beteiligten Schulen ist dazu ein Unterstützungskonzept in Entwicklung, das den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Schulalltag gewährleistet. Dazu werden die im Land neu eingerichteten Institute, das Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW) und das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL), ebenso einbezogen wie die Schulverwaltung.

3. Weitere Informationen

> Weitere Informationen zum Projekt (PDF-Dokument)
> Weitere Informationen zu "Individueller Förderung" (Website)