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Unsere Strategie „Starke Kinder – chancenreich“

Ziele der Strategie

Kinder haben ihr Leben noch vor sich, sie wollen gestalten und selbstbestimmt leben. Wenn sie unter den Bedingungen von Armutsgefährdung aufwachsen – davon ist fast jedes fünfte Kind unter 18 Jahren in Baden-Württemberg betroffen –, kann das erhebliche und lebenslange Auswirkungen auf ihre Teilhabechancen haben. Das hat auch der Erste Armuts- und Reichtumsbericht in Baden-Württemberg mit der Schwerpunktsetzung auf Kinderarmut deutlich gemacht.

Zum Schwerpunktjahr 2020 gegen Kinderarmut hat das Ministerium für Soziales und Integration ein umfangreiches Paket an nachhaltigen Maßnahmen gegen Kinderarmut mit dem Titel „Starke Kinder – chancenreich“ aufgelegt und wird Maßnahmen auch über das Jahr 2020 hinaus weiter- und neu entwickeln.

Ziel der Strategie „Starke Kinder – chancenreich“ ist es, die Öffentlichkeit für Kinderarmut zu sensibilisieren, bestehende und zusätzliche Maßnahmen unterschiedlicher Organisationseinheiten zu vernetzen und weitere Partnerinnen und Partner außerhalb des Ministeriums für Soziales und Integration mit ihrem Engagement gegen Kinderarmut für eine Landesstrategie zu gewinnen und Synergieeffekte zu nutzen. Dabei sollen Kinder im Fokus stehen, bei denen die Armutsgefährdung besonders hoch ist. Auf der lokalen Ebene haben sich bereits Präventionsnetzwerke als wirkungsvolles Instrument erwiesen. Deshalb soll insbesondere dieser Ansatz konzeptionell vertieft und durch eine ausgeweitete Förderung weiterverbreitet werden.

Mit den Maßnahmen der Strategie „Starke Kinder – chancenreich“ wollen wir vor allem die besonders stark armutsgefährdeten Kinder von Alleinerziehenden, Kinder in kinderreichen Familien (drei und mehr Kinder) sowie Kinder, die selbst oder deren Eltern eine Migrationsgeschichte haben, erreichen. Es geht aber auch um Kinder langzeitarbeitsloser Eltern sowie Kinder in besonderen Belastungssituationen, also Kinder psychisch- und suchtkranker Eltern oder Kinder in Trennungsfamilien.

Kinderarmut wird als Mangel an Teilhabe- und Verwirklichungschancen verstanden. Es handelt sich um einen multidimensionalen, nicht nur monetären Zugang zur Lebenslage von Kindern und Jugendlichen. Hieraus ergeben sich Handlungsfelder, die langfristig abgedeckt werden sollen. Dazu gehört der (präventive) Kinderschutz und die Familienbildung, Bildung und Übergänge, Sprache und Spracherwerb, Gesundheit, Kinderbetreuung, Wohnen und Sozialraum sowie Teilhabe und Beteiligung. Da Kinderarmut nicht zu trennen ist von der Situation der Eltern, kommen die Themen Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Ausbildungs- und Erwerbssituation der Eltern hinzu.

> Weitere Informationen hierzu finden Sie im Strategiepapier "Starke Kinder - chancenreich" unter der Rubrik Downloads.

Weiterentwicklung der kind- und familienbezogenen Leistungen: Kindergrundsicherung

Auf der Ebene des Bundes ist erkennbar, dass die Maßnahmen in die richtige Richtung gehen. Die Erhöhung von Kindergeld und Kinderfreibetrag sowie die Verbesserungen bei Kinderzuschlag und Bildungs- und Teilhabepaket tragen zu einer Entlastung von Familien bei. Die Maßnahmen greifen aber dennoch zu kurz. Ausgerechnet die finanziell schwächsten Familien profitieren nicht von den Verbesserungen, denn bei denjenigen Familien, die Leistungen nach dem SGB II oder SGB XII beziehen, wird die Kindergelderhöhung auf diese Leistungen vollständig angerechnet. Nötig sind vielmehr Leistungen, die Kinder stärken und ihnen echte gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.

Aus Sicht des Ministeriums für Soziales und Integration ist ein vom Kind aus gedachtes Gesamtkonzept gegen Kinderarmut und zur Beseitigung ihrer Folgen notwendig. Dieses Konzept muss so gestaltet sein, dass die jetzt bestehenden bürokratischen Hürden abgebaut werden. Verbesserungen werden durch eine Weiterentwicklung der kind- und familienbezogenen Leistungen hin zu einer Kindergrundsicherung angestrebt.

Zu den Vorschlägen für eine Weiterentwicklung gehört aus Sicht des Ministeriums für Soziales und Integration: Eine Kindergrundsicherung, die die Armut von Kindern wirklich bekämpft, muss automatisch und ohne kompliziertes Antragsverfahren ausgezahlt werden. Sie muss den Mindestbedarf jedes Kindes in gleichem Maße decken, sich daran orientieren, was Kinder und Jugendliche zu einem guten Aufwachsen brauchen und Teilhabe für alle Kinder garantieren. Die Höhe der Kindergrundsicherung muss über eine einkommensschichtübergreifende Erhebung der Bedarfe ermittelt werden und darf sich nicht am derzeitigen, viel zu geringen, politisch festgelegten Existenzminimum orientieren. Die derzeitigen familienpolitischen Leistungen (z.B. Kindergeld, Kinderzuschlag, SGB II-Regelleistungen und pauschale Leistungen des Bildungs- und Teilhabepaketes) sollen in eine Kindergrundsicherung integriert werden.

> Weitere Informationen finden Sie im Strategiepapier "Starke Kinder - chancenreich" unter der Rubrik Downloads.

Erhöhung der Inanspruchnahme von Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets

Kinder und Jugendliche können unter bestimmten Voraussetzungen Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket erhalten. Häufig scheitert aber die Inanspruchnahme – und damit im schlechtesten Fall die Teilhabe – an fehlenden Informationen oder hohen bürokratischen Hürden. Solange es keine Regelung zur Kindergrundsicherung gibt, in der diese Leistung ggf. aufgehen würden, soll darauf hingearbeitet werden, dass die bisher im Ländervergleich geringe Inanspruchnahme von Leistung des Bildungs- und Teilhabepakets in Baden-Württemberg steigt.
Dafür soll eine Arbeitsgruppe eingerichtet werden, in der das Ministerium für Soziales und Integration, die anderen Ressorts der Landesregierung, die kommunalen Landesverbände sowie die Liga der freien Wohlfahrtspflege zur Zusammenarbeit einlädt.

Der Bundesgesetzgeber hat kürzlich das so genannte Sozialschutz-Paket II beschlossen. Damit wird unter anderem sichergestellt, dass Schülerinnen und Schüler sowie Kinder, die eine Tageseinrichtung besuchen oder für die Kindertagespflege geleistet wird, auch bei corona-pandemie-bedingten Schließungen dieser Einrichtungen mit Mittagessen im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets versorgt werden können.
> Weitere Informationen siehe Bundesgesetzblatt

> Weitere Informationen zur Beantragung von Bildungs- und Teilhabeleistungen finden Sie unter der Rubrik Leistungen.

Kinder und Jugendliche nach ihren Stärken und den Gelingensbedingungen dafür fragen

Im Schwerpunktjahr 2020 gegen Kinderarmut sollen Kinder und Jugendliche als Expertinnen und Experten für ihr Leben danach gefragt werden, was zum Stark- und zum Chancenreich-Sein dazugehört und was dafür förderliche Bedingungen sind und im bisherigen Lebensverlauf waren.

Um dies herauszufinden, wollen wir mit Trägern der Kinder und Jugendhilfe und Interessenvertretungen dieser Zielgruppe, wie z.B. der SchülerMitVerantwortung, der Interessenvertetung der Jugendgemeinderäte, der Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung, dem Landesjugendring, als weiteren Expertinnen und Experten für ein gutes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen, Kooperationen schließen und über Wege diskutieren, wie von Armut betroffenen Kindern und Jugendlichen geholfen werden kann, ohne sie zu stigmatisieren, sondern die Stärken, Potentiale und Resilienzfaktoren von allen Kindern und Jugendlichen zu ermitteln, zu betonen, und zu fördern.

Konkret werden wir beim Jugendkongress "U21 Next Station: Participation", der voraussichtlich im Februar 2021 stattfindet, einen Workshop anbieten. Wir werden mit Jugendlichen als Expertinnen und Experten für ihr Leben darüber sprechen, was zum Stark- und zum Chancenreich-Sein dazugehört und was dafür förderliche Bedingungen sind und im bisherigen Lebensverlauf waren. Weitere Informationen zum Jugendkongress finden Sie unter der Rubrik Veranstaltungen und Projekte.

Wir haben eine Liste mit Materialien zur Bearbeitung des Themas Armut mit Kindern und Jugendlichen erstellt, die Sie unter der Rubrik Downloads finden. Sie enthält Informationen zu Grundlagenliteratur, Statistikmaterial, zur konzeptionellen Gestaltung im Unterricht oder zu vergleichbaren Anlässen sowie zu Kinder- und Jugendliteratur und Kurz-Filmen zum Thema Armut. Gerne können Sie uns weitere geeignete Materialien nennen, mit denen wir die Liste ergänzen können (bitte per E-Mail an armutspraevention@remove-this.sm.bwl.de).

Jugendforum online: Aktuell müssen viele Kommunen umdenken, da keine Präsenzveranstaltungen mit großen Gruppen möglich sind. Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg unterstützt Kommunen dabei, digitale Alternativen für ihr Jugendbeteiligungsprozesse, wie bspw. Online-Jugendforen, zu finden und durchzuführen. Weitere Informationen auf Anfrage: Angelika Barth, Fachbereichsleitung Jugend und Politik, Tel.: 0711/16409922 oder per Mail

Landesweite Strategie gegen Kinderarmut

Das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg legt mit einem großen Maßnahmenpaket einen Beitrag zur Prävention von Kinderarmut und die Milderung der Folgen vor. Bei der Kinderarmut stehen wir jedoch vor einer großen Herausforderung, die wir nur erfolgreich angehen können, wenn sich viele Akteurinnen und Akteure beteiligen.
Die Kommunen, die Kirchen, die freie Wohlfahrtspflege und die Sozialpartner, die Verbände und Vereine, die Stiftungen und die Wissenschaft wurden daher im Juli 2019 dazu eingeladen, sich mit eigenen Beiträgen gegen Kinderarmut zu engagieren – über das hinaus, was sie bereits seit langem erfolgreich auf diesem Gebiet leisten. Das Schreiben von Herrn Minister Lucha MdL hierzu finden Sie unter der Rubrik Downloads.
Die Beiträge, Maßnahmen und Veranstaltungen werden im Sinne der Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung auf dieser Website präsentiert. Weitere Informationen finden Sie unter der Rubrik Netzwerk.

Es besteht die Möglichkeit, für öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen zum Thema Kinderarmut im Jahr 2020 beim Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg einen Zuschuss zu beantragen. Die entsprechenden Kriterien für Zuschüsse zu Veranstaltungen zum Thema Kinderarmut finden Sie unter der Rubrik Aufrufe und Ankündigungen.

Für die inhaltliche Begleitung der zentralen Aktivitäten im Schwerpunktjahr gegen Kinderarmut wurde eine Begleitgruppe eingerichtet. Sie besteht aus Vertreterinnen und Vertretern des Landesverbands der kommunalen Migrantenvertretungen, der FamilienForschung im Statistischen Landesamt, der Landesarmutskonferenz, des Landesfamilienrats, der Liga der freien Wohlfahrtspflege, des Städtetags und des Landkreistags sowie des Kinderschutzbunds.

> Weitere Informationen finden Sie im Strategiepapier "Starke Kinder - chancenreich" unter der Rubrik Downloads.