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Infothek

Daten und Fakten über Kinderarmut in Baden-Württemberg

Kinder und Jugendliche in Baden-Württemberg weisen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ein überdurchschnittlich hohes Armutsrisiko auf. Im Jahr 2019 waren 19,1 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in Baden-Württemberg armutsgefährdet (2018 = 19,0 Prozent). Damit trugen sie nach den 18- bis unter 25-Jährigen (24,6 Prozent; 2018 = 24,5 Prozent) das zweithöchste Armutsrisiko unter den Altersgruppen. Hingegen lag die Armutsgefährdungsquote der Gesamtbevölkerung Baden-Württembergs im Jahr 2019 bei 15,6 Prozent (2018 = 15,2 Prozent). Mädchen und Frauen sind durch alle Altersgruppen hinweg etwas stärker von Armut gefährdet als Jungen und Männer.

Auffällig ist die starke Armutsgefährdung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Unter 18-Jährige mit Migrationshintergrund trugen im Jahr 2019 in Baden-Württemberg ein Armutsrisiko von 29,7 Prozent (2018 = 29,3 Prozent), während unter 18-Jährige ohne Migrationshintergrund ein Armutsrisiko von 9,9 Prozent (2018 = 10,5 Prozent) hatten.

Betrachtet man die Daten nach Haushaltsformen, so zeigt sich: Die Armutsgefährdungsquote der Haushalte von Alleinerziehenden und ihren Kindern lag im Jahr 2019 bei durchschnittlich 42,5 Prozent (2018 = 43,2 Prozent). Demnach ist fast jede zweite alleinerziehende Person und ihre Kinder in Baden-Württemberg armutsgefährdet. Das Armutsgefährdungsrisiko von Haushalten Alleinerziehender und ihrer Kinder nimmt mit jedem weiteren Geschwisterkind deutlich zu: 37,5 Prozent bei einem Kind (2018 = 38,1 Prozent), 44,2 Prozent bei zwei Kindern (2018 = 42,0 Prozent) und 57,3 Prozent bei drei oder mehr Kindern (2018 = 60,1 Prozent). Auch Haushalte von kinderreichen Paarfamilien ab drei Kindern weisen ein gegenüber der Gesamtbevölkerung erhöhtes Armutsrisiko auf (29,3 Prozent; 2018 = 29,5 Prozent).

Die Armutsgefährdungsquote von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren variiert mit ihrem Alter. Kinder unter drei Jahren haben ein höheres Armutsrisiko (2019 = 20,1 Prozent; 2018 = 19,1 Prozent) als ältere Kinder, was unter anderem mit der mütterlichen Erwerbsbeteiligung zusammenhängen könnte, die mit dem Alter der Kinder (wieder) zunimmt.

Beim Blick in die Zukunft unserer Kinder gilt es Folgendes zu beachten: Personen mit niedrigem Bildungsstand (ISCED 0-2) waren im Jahr 2019 zu 30,4 Prozent (2018 = 29,2 Prozent) und Erwerbslose zu 49,2 Prozent (2018 = 55,3 Prozent) armutsgefährdet. Aber auch Menschen in Erwerbstätigkeit waren im Jahr 2019 zu 8,6 Prozent (2018 = 8,3 Prozent) von Armutsgefährdung betroffen („in work poverty“).

Bericht „Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg“ (April 2021)
Der ungefähr 100-seitige Bericht, der vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration herausgegeben wurde, nimmt die Bedingungen für ein gutes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in den Blick. Der Fokus liegt dabei auf empirischen Ergebnissen zu verschiedenen Dimensionen der Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen und den diesbezüglichen kommunalen Handlungsmöglichkeiten. Darüber hinaus umfasst er Praxisbeispiele und Ergebnisse verschiedener Beteiligungsprozesse, die die Berichterstellung flankiert haben. An zentralen Stellen werden auch mögliche coronabedingte Langzeitfolgen für Kinder und Jugendliche erörtert.
> Weitere Informationen zum Bericht

Sechster Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung (Mai 2021)
Statement von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil: „Der Bericht zeigt, wo es Licht und Schatten gibt: Positiv ist, dass vor der COVID-19-Pandemie alle Einkommensbereiche von der damals günstigen Wirtschaftsentwicklung profitiert haben. Auch im unteren Bereich sind die Löhne gestiegen und die Erwerbstätigkeit hat zugenommen. Der gesetzliche Mindestlohn hat gewirkt: Die Stundenlöhne bei den Beschäftigten im untersten Zehntel der Einkommensverteilung sind in den letzten Jahren am stärksten gestiegen. Allerdings müssen wir feststellen, dass sich in den letzten Jahrzehnten eine Verfestigung von Armutslagen ergeben hat: Für Langzeitarbeitslose und Menschen, die in prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeiten, existieren zu wenige Aufstiegsmöglichkeiten. Auch der Umstand, dass viele Menschen unsere Gesellschaft als sehr polarisiert wahrnehmen, zeigt, dass wir den sozialen Zusammenhalt stärken müssen.
Die Ergebnisse des Berichts bestärken mich daher in meinem Ziel, dass wir für mehr Gerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt sorgen müssen: Wir brauchen schnellstmöglich einen gesetzlichen Mindestlohn von 12 Euro / Stunde, wir müssen die Tarifbindung stärken, und die Grundsicherung für Arbeitsuchende muss reformiert werden.“
> Mehr Informationen zum Bericht

Trickfilm "Versteckte Helden" zum Thema Kinderarmut

Am 4. Mai 2022 fand die Weltpremiere des Trickfilms "Versteckte Helden" beim Internationalen Trickfilmfestival Stuttgart statt. Der Film „Versteckte Helden“ steht nun auch online zur Verfügung.

Die Koordinierungsstelle MACH DICH STARK führt zusammen mit der veranstaltenden Film- und Medienfestival gGmbH, dafür ein Projekt durch, das mit Landesmitteln gefördert wird. Der Trickfilm wurde vom 2D Studio Monströös entwickelt.

Mit einem kurzen Animationsfilm wird über die Ursachen und Hintergründe aufgeklärt und es soll aufgezeigt werden, dass die Auswirkungen von Kinder- und Familienarmut nicht nur jedes einzelne Kind sondern unsere Gesellschaft im Gesamten betreffen. Der Film macht sichtbar, dass Kinderarmut kein Individualversagen oder Einzelschicksal ist, sondern dass es strukturelle Ursachen und Wirkungen gibt, die diese Lebenslage manifestieren. Darüber hinaus stehen insbesondere die Lösungsansätze zur Bekämpfung von Kinderarmut und die Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit unserer Gesellschaft im Mittelpunkt: Was muss geschehen, dass alle Kinder und Jugendlichen stark und chancenreich sind?

Wir möchten Sie ausdrücklich dazu auffordern, diese Information weiterzuverbreiten und den Film bei Ihrer Arbeit einzusetzen!

> Trickfilm "Versteckte Helden" (YouTube)

Liste mit Materialien zur Bearbeitung des Themas Armut mit Kindern und Jugendlichen

Die Liste enthält Informationen zu Grundlagenliteratur, Statistikmaterial, zur konzeptionellen Gestaltung im Unterricht oder zu vergleichbaren Anlässen sowie zu Kinder- und Jugendliteratur und Kurz-Filmen zum Thema Armut.

> Liste mit Materialien (PDF-Format vom 6. Mai 2022)

Einführung einer Kindergrundsicherung

Das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg setzt sich seit vielen Jahren für die Einführung einer Kindergrundsicherung ein. Die Einführung einer Kindergrundsicherung ist ein geeigneter Baustein zur Vermeidung von Kinderarmut. Notwendig ist ein vom Kind aus gedachtes Gesamtkonzept gegen Kinderarmut und zur Beseitigung ihrer Folgen. Kinder sind mehr als Teil ihrer Familien oder mehr als in ihrer Funktion als Schülerinnen und Schüler, sie sind eigene Subjekte und müssen mit ihren eigenen Bedarfen umfassend betrachtet werden. Ein Konzept muss so gestaltet sein, dass bisher bestehende bürokratische Hürden abgebaut und Verbesserungen durch eine Weiterentwicklung der kind- und familienbezogenen Leistungen angestrebt werden.

Von 2017 bis 2020 arbeitete eine von der Konferenz der für Arbeit und Soziales zuständigen Länderministerinnen und -minister sowie Senatorinnen und Senatoren eingesetzte länderoffene Arbeitsgruppe unter Federführung von Niedersachsen und unter Mitwirkung des SM-Fachreferats. Frau Prof.in Lenze hat im Auftrag der AG ein Rechtsgutachten zur Ermittlung der Bedarfe von Kindern erstellt. Nordrhein-Westfalen hat im Rahmen dieser Arbeit des Weiteren Frau Prof.in Ott, Herrn Schürmann und Herrn Prof. Werding mit der Erstellung eines Gutachtens zu den rechtlichen Schnittstellen bei der Einführung einer Kindergrundsicherung beauftragt. Beide Gutachten sind in die Entscheidungsprozesse auf Bundesebene eingeflossen

Im Rahmen der Strategie „Starke Kinder – chancenreich“ hat das Ministerum für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württenmberg ein Konzept für die Einführung einer Kindergrundsicherung entwickelt, das zehn Eckpunkte umfasst und in eine Sozialleistung mündet, mit der die Armut von Kindern strukturell wirksam bekämpft wird. Dafür muss sie automatisch und ohne kompliziertes Antragsverfahren ausbezahlt werden. Sie muss den Mindestbedarf jedes Kindes in gleichem Maße decken, sich daran orientieren, was Kinder und Jugendliche zu einem guten Aufwachsen brauchen, und Teilhabe für alle Kinder garantieren. Die Höhe der Kindergrundsicherung muss über eine einkommensschichtübergreifende und beteiligungsorientierte Erhebung der Bedarfe ermittelt werden und darf sich nicht am derzeitigen, viel zu geringen politisch festgelegten Existenzminimum orientieren. Die derzeitigen familienpolitischen Leistungen, wie Kindergeld, Kinderzuschlag, SGB II-Regelleistungen und pauschalierte Leistungen des Bildungs- und Teilhabepaketes, sollen in eine Kindergrundsicherung integriert werden.

Im November 2020 haben die für Arbeit und Soziales zuständigen Länderministerinnen und -minister sowie Senatorinnen und Senatoren mit großer Mehrheit die Bundesregierung aufgefordert, konkrete Umsetzungsschritte zur Einführung einer Kindergrundsicherung einzuleiten.

Im März 2022 hat eine Interministerielle Arbeitsgruppe Kindergrundsicherung (IMA) unter Federführung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ihre Arbeit aufgenommen. Neben dem BMFSFJ sind die Bundesministerien der Finanzen, der Justiz, für Arbeit und Soziales, für Bildung und Forschung sowie für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen beteiligt. Geplant ist, dass die IMA Kindergrundsicherung bis Ende 2023 in fünf thematischen Arbeitsgruppen ein Konzept für eine Kindergrundsicherung erarbeitet. Es handelt sich um Arbeitsgruppen zu den Themen „Grundsatzfragen/Ausgestaltung“, „Schnittstellen“, „Anrechnung Einkommen“, „Vollzug Digitalisierung“, Existenzminimum Kinder, BuT“.
Auf dem Weg dorthin sind Beteiligungen und Austausch mit Ländern, Verbänden, Vereinen und Stiftungen geplant.

Inanspruchnahme des sogen. Bildungs- und Teilhabepakets in Baden-Württemberg

Das Bildungs- und Teilhabepaket umfasst sechs verschiedene Leistungen: die Lernförderung, die Ausstattung mit persönlichem Schulbedarf, die Schülerbeförderung, die Teilnahme an einer gemeinschaftlichen Mittagsverpflegung, (Schul-) Ausflüge und mehrtägige Klassenfahrten, sowie die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft (Teilhabeleistung).

Einen Anspruch auf die Leistungen gibt es durch das Zweite und Zwölfte Sozialgesetz-buch, also SGB II und SGB XII, sowie durch das Bundeskindergeldgesetz (BKiGG; hier: Kinderzuschlag), das Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) und das Wohngeldgesetz (WoGG). Außerdem können Eltern, die zwar keine dieser Sozialleistungen beziehen aber trotz allem den Bildungs- und Teilhabebedarf ihres Kindes aufgrund des zu geringen Einkommens nicht abdecken können, leistungsberechtigt sein.

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene können bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres Leistungen beziehen, sofern sie eine allgemein- oder berufsbildende Schule besuchen und keine Ausbildungsvergütung erhalten. Eine Ausnahme stellt die Teilhabeleistung dar, hier können Leistungen nur bis zum vollendeten 18. Lebensjahr beansprucht werden.

Der Anspruch der Kinder auf die Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets leitet sich immer aus einem Anspruch der Eltern bzw. der Bedarfsgemeinschaft auf eine Sozialleistung ab. Es besteht also kein eigenständiger Anspruch der Kinder auf diese Leistungen.

Zwischen dem 12. April und dem 11. Juni 2021 fand in Baden-Württemberg eine Befragung zur Inanspruchnahme der Leistungen des Bildung- und Teilhabepakets statt. Befragt wurden alle 44 Stadt- und Landkreise. Initiatoren der Befragung waren das baden-württembergische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration, das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus, das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, das Ministerium der Justiz und für Migration, das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen, das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, das Ministerium für Verkehr sowie der Städtetag und der Landkreistag Baden-Württemberg. Die Ergebnisse wurden in einem Evaluationsbericht veröffentlicht.

> Evaluationsbericht (PDF-Format)

In den Landkreis-Nachrichten, Ausgabe 4/2021 wurde auf den Seiten 336-337 eine Kurzfassung des Evaluationsberichts veröffentlicht.

Kinderreporterinnen und Kinderreporter

Im Rahmen der Strategie „Starke Kinder – chancenreich“ wurden Kinder und Jugendliche auch direkt beteiligt. Ziel war es, Kindern und Jugendlichen direkt zuzuhören und sie teilhaben zu lassen, denn: Kinder und Jugendliche können für sich und ihre Lebenslage selbst sprechen.

Dafür wurde ein Team von Kinderreporterinnen und Kinderreportern beauftragt. Kinder haben Kinder darüber interviewt, was sie stark macht und woher sie Kraft schöpfen. Daraus sind drei Kurzfilme entstanden, die online verfügbar sind (YouTube):
- in Friedrichshafen
- in Tübingen
- in Reutlingen

Online-Fachgespräch zur Beteiligung von armutsgefährdeten Kindern und Jugendlichen

Bei einem Online-Fachgespräch am 28. April 2021 ist das Thema kommunale Beteiligung von Kindern und Jugendlichen vertieft und weitergedacht worden. Die Diskussion hat sich auf die Frage konzentriert, was es gewissermaßen „obendrauf“ an Ressourcen und Infrastruktur braucht, um auch benachteiligte Kinder und Jugendliche in kommunalen Prozessen zu beteiligen. Es ist eine Zusammenstellung entstanden, die auf die Frage eingeht, worauf es ankommt, wenn man benachteiligte Kinder und Jugendliche aus armutsgefährdeten Familien beteiligen will, und welche Best-Practise-Beispiele es dazu in Baden-Württemberg gibt.

> Zusammenstellung zum Online-Fachgespräch (PDF-Format)

Rückblick: Strategie „Starke Kinder – chancenreich“ 2020/2021

„Kinder sind unsere Zukunft. Deshalb müssen wir Kindern zuhören, sie teilhaben lassen, ihre Belange in den Mittelpunkt stellen und sie schützen.“

Minister Manfred Lucha MdL

Unter diesem Fokus verfolgte das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg von März 2020 bis Dezember 2021 die Strategie „Starke Kinder – chancenreich“. Ziel war es dazu beizutragen, dass Kinder, Jugendliche und deren Eltern in allen Lebenslagen gute Angebote der Förderung und Unterstützung erhalten, so dass sich Armutsgefährdung im Kindesalter nicht nachteilig auf die Möglichkeiten der sozialen Teilhabe im gesamten Leben auswirkt.
Dafür hat das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration ein Paket mit vielen zusätzlichen Maßnahmen geschnürt, um Kinder und Jugendliche zu stärken.
Zusammen mit vielen Akteurinnen und Akteuren, die sich gegen Kinderarmut im Land engagieren, konnte trotz Corona-Bedingungen ein sehr gutes Ergebnis erreicht werden, von dem viele armutsgefährdete Kinder, Jugendliche und deren Eltern im Land profitieren können.

Im Abschlussbericht werden die wichtigsten Arbeitsergebnisse der fast zweijährigen Strategie vorgestellt. Es wird ein Ausblick auf weiterführende Maßnahmen zur Bekämpfung und Prävention von (Kinder-)Armut gegeben.

> Abschlussbericht: Strategie „Starke Kinder – chancenreich“ – Ergebnisse und Ausblick (PDF-Format)
> Strategiepapier vom 5. März 2020 (PDF-Format)
> Prospekt zur Strategie „Starke Kinder – chancenreich“ (PDF-Format)