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Infothek

Daten und Fakten über Kinderarmut in Baden-Württemberg

Kinder und Jugendliche in Baden-Württemberg weisen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ein überdurchschnittlich hohes Armutsrisiko auf. Im Jahr 2017 waren 19,1 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in Baden-Württemberg armutsgefährdet. Damit trugen sie nach den 18- bis unter 25-Jährigen (24,9 Prozent) das zweithöchste Armutsrisiko unter den Altersgruppen. Hingegen lag die Armutsgefährdungsquote der Gesamtbevölkerung Baden-Württembergs bei 15,5 Prozent. Mädchen und Frauen sind durch alle Altersgruppen hinweg etwas stärker von Armut gefährdet als Jungen und Männer.

Kinder waren zudem häufiger von dauerhafter Armutsgefährdung betroffen (7,6 Prozent) als der Durchschnitt der Bevölkerung (7,1 Prozent). Das heißt, sie leben häufiger in Haushalten, in denen im laufenden Jahr und in mindestens zwei der drei vorhergehenden Jahre das Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsschelle lag (Einkommensjahr 2016 bei Befragung in 2017).

Auffällig ist die starke Armutsgefährdung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Unter 18-Jährige mit Migrationshintergrund trugen im Jahr 2017 in Baden-Württemberg ein Armutsrisiko von 30,4 Prozent, während unter 18-Jährige ohne Migrationshintergrund ein Armutsrisiko von 10,1 Prozent hatten.

Betrachtet man die Daten nach Haushaltsformen, so zeigt sich: Die Armutsgefährdungsquote der Haushalte von Alleinerziehenden und ihren Kindern lag im Jahr 2017 bei durchschnittlich 43,1 Prozent. Demnach sind fast jede zweite alleinerziehende Person und ihre Kinder in Baden-Württemberg armutsgefährdet. Das Armutsgefährdungsrisiko von Haushalten Alleinerziehender und ihrer Kinder nimmt mit jedem weiteren Geschwisterkind deutlich zu: 38,7 Prozent bei einem Kind, 43,1 Prozent bei zwei Kindern und 57,8 Prozent bei drei oder mehr Kindern. Auch Haushalte von kinderreichen Paarfamilien ab drei Kindern weisen ein erhöhtes Armutsrisiko auf (26,9 Prozent im Jahr 2017).

Die Armutsgefährdungsquote von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren variiert nur geringfügig mit ihrem Alter. Kinder unter 3 Jahren haben ein etwas höheres Armutsrisiko als ältere Kinder, was unter anderem mit der mütterlichen Erwerbsbeteiligung zusammenhängen könnte, die mit dem Alter der Kinder zunimmt.

Beim Blick in die Zukunft unserer Kinder gilt es zu beachten: Personen mit niedrigem Bildungsstand sind stärker armutsgefährdet (38,5 Prozent im Jahr 2017) als der Bevölkerungsdurchschnitt. Erwerbslose sind zu 48,5 Prozent armutsgefährdet. Aber auch Menschen in Erwerbstätigkeit sind zu 8,4 Prozent von Armutsgefährdung betroffen („in work poverty“).

> Weitere Informationen hierzu finden Sie im Strategiepapier "Starke Kinder - chancenreich" unter der Rubrik Downloads.

Aktuelle Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI)
Jedes fünfte Kind in Deutschland lebt in Armut oder ist von Armut bedroht. Doch wie wirkt sich die finanzielle Situation einer Familie auf das Wohlbefinden und das Verhalten der Kinder aus? Das untersuchten Dr. Valerie Heintz-Martin und Dr. Alexandra Langmeyer vom Deutschen Jugendinstitut (DJI). Die beiden Wissenschaftlerinnen verglichen verschiedene Familienformen und stießen auf deutliche Unterschiede.
Am stärksten unter Armut leiden laut dieser Studie Kinder, die bei Alleinerziehenden oder in komplexen Patchwork-Familien aufwachsen. Die Corona-Krise dürfte deren Situation noch verschärfen.
> Weitere Informationen zur Studie

Gesellschaftsmonitoring Baden-Württemberg als zuverlässige Datenquelle

Eine zielgerichtete und nachhaltige Sozial- und Gesellschaftspolitik für Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen benötigt eine zuverlässige Datengrundlage. Das Gesellschaftsmonitoring Baden-Württemberg stellt deshalb zentrale Kennzahlen zu insgesamt neun verschiedenen Themenfeldern bereit. Im Kontext der Strategie „Starke Kinder – chancenreich“ sind insbesondere die Themenfelder ‚Armut und Reichtum‘, ‚Familie und Zusammenleben‘ sowie ‚Kinder, Jugend und Ältere‘ interessant. Die für das Monitoring in den Themenfeldern ausgewählten Indikatoren machen gesellschaftliche Entwicklungen und Trends sichtbar und liefern gezielte Informationen zu den wichtigsten sozialen Fragestellungen.

Die Indikatoren werden jährlich durch aktuelle Daten ergänzt. Somit können Herausforderungen und Handlungsbedarfe frühzeitig erkannt und zugleich positive Veränderungen zeitnah sichtbar gemacht werden.
Detaillierte Informationen, Definitionen und Datenquellen zu den jeweiligen Indikatoren sind im Gesellschaftsmonitoring-Portal zu finden.

> Weitere Informationen zum Gesellschaftsmonitoring finden Sie auch im Maßnahmenpaket der Strategie "Starke Kinder - chancenreich" oder im Strategiepapier "Starke Kinder - chancenreich" unter der Rubrik Downloads.

Kinderrechte im Kontext Kinderarmut

In Baden-Württemberg ist fast jedes fünfte Kind von Armut gefährdet. Dies schadet der Entwicklung dieser Kinder und verhindert oder erschwert zumindest ein gutes Aufwachsen.
Mit dem Ersten Armuts- und Reichtumsbericht wurde im Jahr 2015 eine solide Datengrundlage geschaffen, mit der passgenaue Maßnahmen zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen und zur Prävention von Kinderarmut entwickelt werden können. Die ebenfalls im Jahr 2015 erfolgte Aufnahme der Kinderrechte in die Landesverfassung (Artikel 2a) zielt darauf ab, ein gutes Aufwachsen der Kinder zu gewährleisten und zu fördern.
Bereits im Jahr 1989 haben sich 196  Staaten im Rahmen der UN-Kinderrechtskonvention (UN-KRK) verpflichtet, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren als Träger eigener Rechte anzuerkennen. Detaillierte Ausführungen zur Geschichte der Kinderrechte und zu den Schwierigkeiten bei ihrer praktischen Umsetzung finden Sie in einem Beitrag von Bernd Eggen mit dem Titel „Kinderrechte: Probleme ihrer Umsetzung. Bericht zu der Jahrestagung des Deutschen Jugendinstituts 2018“ im Statistischen Monatsheft 3/2019.

Gemeinsam mit dem ZDF hat das Bundesjugendministerium die Broschüre „Die Rechte der Kinder. Von logo! Einfach erklärt“ herausgegeben. Sie erklärt in gut verständlicher Sprache, mit Geschichten und Bildern, was die Kinderrechtskonvention ist und was sie für Kinder und Jugendliche bedeutet. Auf Seite 61 der Broschüre findet man eine Übersicht über die zehn wichtigsten Kinderrechte.

> Im Schwerpunktjahr 2020 gegen Kinderarmut sollen Kinder und Jugendliche als Expertinnen und Experten für ihr Leben danach gefragt werden, was zum Stark- und zum Chancenreich-Sein dazugehört und was dafür förderliche Bedingungen sind und im bisherigen Lebensverlauf waren. Weitere Informationen dazu siehe unter der Rubrik "Unserer Strategie" oder im Strategiepapier "Starke Kinder - chancenreich" unter der Rubrik Download.

> Im Jahr 2011 wurde von einem Team von Kinderreporterinnern und Kinderreportern der Wilhelm-Hauff-Schule in Stuttgart beim 14. Kinder- und Jugendhilfetag in Stuttgart ein Film zu Kinderrechten gedreht. Die Kinder wurden von der Caritas-Schulkindbetreuung (Caritasverband für Stuttgart e.V.) begleitet.