Kinderarmut in Baden-Württemberg
Kinder und Jugendliche in Baden-Württemberg weisen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (15,1 % im Jahr 2024) ein überdurchschnittlich hohes Armutsrisiko auf. Im Jahr 2024 waren 17,4 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in Baden-Württemberg armutsgefährdet. Damit trugen sie nach den 18- bis unter 25-Jährigen (23,9 Prozent) das zweithöchste Armutsrisiko unter den Altersgruppen. Wer arm ist, kann an vielem nicht teilhaben. Armut ist ein Mangel an Teilhabe- und Verwirklichungschancen.
Mädchen und Jungen unter 18 Jahren sind im Durchschnitt etwa gleich stark von Armut gefährdet. Erwachsene Frauen (16,3 %) sind mit zunehmendem Alter hingegen stärker von Armut gefährdet als erwachsene Männer (13,8 %).
Die Armutsgefährdungsquote von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren variiert mit ihrem Alter. Es steigt an und liegt in allen Altersgruppen über der Armutsgefährdung der Gesamtbevölkerung (15,4 %):
- Kinder unter drei Jahren hatten 2024 ein Armutsrisiko von 16,6 Prozent.
- Bei den 3- bis unter 6-Jährigen liegt es bei 15,4 Prozent,
- bei den 6- bis unter 15-Jährigen bei 17,6 Prozent und
- bei den 15- bis unter 18-Jährigen bei 19,6 Prozent.
Auf den ersten Blick könnte man von einem Rückgang der Kinderarmut in Baden-Württemberg sprechen. Dazu könnten beispielsweise Maßnahmen wie die Erhöhung des Kindergeldes am 1. Januar 2023 von monatlich 219 auf 250 Euro oder der Kinderzuschlag für Alleinerziehende und Familien mit kleinen Einkommen, der zum 1. Januar von monatlich 229 auf 250 Euro angehoben wurde, beigetragen haben. Zudem erhalten von Armut betroffene Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene seit 1. Juli 2022 einen Sofortzuschlag von monatlich 20 Euro, der als erster Schritt auf dem Weg zu einer Kindergrundsicherung eingeführt wurde. Außerdem wurden die Leistungen beim Wohngeld verbessert, der Kreis der Anspruchsberechtigten ausgeweitet und der gesetzliche Mindestlohn erhöht. Diese Maßnahmen können dazu beigetragen haben, dass sich die Einkommenssituation armutsgefährdeter Haushalte verbessert und die relative Einkommensarmut der Familien abgenommen hat, also die Armutsgefährdungsquote gesunken ist.
Die Kurzanalyse 1/2025 “Kinderarmut in Baden-Württemberg: Ist die Kinderarmut in Baden-Württemberg seit 2021 zurückgegangen?” geht der Frage nach, ob man auch auf den zweiten Blick von einem Rückgang der Kinderarmut in Baden-Württemberg sprechen kann oder ob dies bei differenzierter Betrachtung relativiert werden muss und auch davon abhängt, welche Indikatoren bzw. Maßzahlen für die Armutsmessung herangezogen werden.