Erfahrungen aus dem Jugend-Empowerment-Projekt in Tübingen
„Ich bin stark“- Ein Empowermentprozess
Im Rahmen eines Jugend-Empowerment-Projekts sich fünf junge Tübingerinnen aus dem Irak, Syrien und Afghanistan im Sommer `22 mit dem Thema Armut beschäftigt. Sie haben sich darüber ausgetauscht, wie es ist, in einem reichen Land wie Deutschland mit wenig Geld auskommen zu müssen. Das Ergebnis ist der Kurzfilm „Ich bin stark“.
Der achtminütige Film erzählt mit Bildern und Stimmen von den Erfahrungen der Jugendlichen, ohne dass die Protagonistinnen erkennbar werden. Die jungen Frauen thematisieren im ersten Teil ihre Flucht nach Deutschland, im zweiten ihr Leben in Deutschland. In beiden Lebensabschnitten sind sie von Armut betroffen, unterscheiden dieses Erleben jedoch in „absolute Armut“ und „relative Armut“.
Die Sozialpädagogin Lena Hezel und die Medienfachfrau Luzie Kollinger begleiteten die Empowerment-Gruppe. Sie war Teil des Projekts „Gute Chancen für alle Kinder 2.0“ der Universitätsstadt Tübingen und wurde aus Mitteln des Landes Baden-Württemberg durch das Ministerium für Soziales und Integration unterstützt.
Im Nachgang wurde das Empowerment-Pilotprojekt dokumentiert, fachlich ausgewertet und ausführlich reflektiert. Die wichtigsten Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Projektverlauf sind:
- Die persönliche Ansprache und bestehende Kontakte zu Jugendlichen waren ein wichtiger Türöffner im schwierigen Prozess, Teilnehmende für das Projekt zu gewinnen
- Um sich die Relevanz des Themas und die Tragweite eines solchen Projektes bewusst zu machen, ist es unabdingbar, sich mit der gesellschaftlichen, politischen, sozialen und pädagogischen Dimension von Armut zu befassen. Es empfiehlt sich unbedingt, sich auch auf einer theoretischen Ebene dieser Themen anzunehmen
- Die Schwere und verschiedenen Ebenen des Themas Armut müssen mitgedacht und reflektiert werden
- Eine Bestärkung im Sinne des Empowerment-Ansatzes ist unter bestimmten Bedingungen möglich, allerdings sind die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen kaum veränderbar; hier liegt eine große Herausforderung
- Die Haltung der Fachkräfte ist von zentraler Bedeutung: sie müssen sensibilisiert sein und Armut als ein gesellschaftliches und politisches Problem verstehen
- Die Angst vor den Konsequenzen von Seiten der Teilnehmerinnen war bei den Gesprächen allgegenwärtig und erfordert es, einen sicheren Rahmen für die Gruppe zu schaffen. Dazu gehört unter anderem die Wahrung der Anonymität, falls Projektergebnisse veröffentlicht werden, sowie Mitbestimmung und Transparenz
- Ein zentrales Ziel muss darin liegen, den Mythos der selbstverschuldeten Armut aufzubrechen und Betroffene dabei zu unterstützen, die eigene Lage nicht auf persönliches Versagen zurückzuführen
Im nebenstehenden Flyer werden die Ziele der Empowermentgruppe und der Prozess der Gruppe erläutert. Außerdem können Fachkräfte und Interessierte auf Wunsch eine ausführliche Projektdokumentation erhalten. Der Flyer sowie die Dokumentation können bei kinderchancen(at)tuebingen.de angefragt werden.
Flyer Empowermentgruppe Jugendarmut
Weiterführende Informationen zum Empowerment-Projekt mit Kurzfilm