Gesunde Chancen für Kinder und Familien – Präventionsnetzwerk gegen Kinderarmut im Ostalbkreis

Projektträger: Landratsamt Ostalbkreis
Standort: Landkreis Ostalbkreis
Zeitraum der Förderung mit Landesmitteln: 2021-2026

Ansprechperson: Katrin Barth (katrin.barth(at)ostalbkreis.de)

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Das sind unsere Ziele

Im Rahmen des Projekts „Gesunde Chancen für Kinder und Familien – Präventionsnetzwerk gegen Kinderarmut im Ostalbkreis" soll ein Präventionsnetzwerk unter Miteinbezug aller für das Thema Kinderarmut relevanten Akteurinnen und Akteure und Organisationen für den gesamten Ostalbkreis aufgebaut werden. Des Weiteren ist die Gestaltung und Implementierung einer Präventionskette unter Einnahme einer Lebenslaufperspektive von besonderer Bedeutung.

Übergeordnetes Ziel des Projekts ist die Förderung der Teilhabe- und Verwirklichungschancen sowie der Gesundheit von armutsgefährdeten und von Armut betroffenen Kindern zwischen 0 und 10 Jahren unter Einbeziehung ihrer Familien.

Daraus können folgende Teilziele abgeleitet werden:

  • Schaffung von Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, damit armutsgefährdete und von Armut betroffene Kinder problemlos Zugang zu unterstützenden Angeboten finden und diese gerne annehmen
  • Minderung von Armutsfolgen bei Kindern
  • Schaffung und Stärkung von (gesundheits-)förderlichen Entwicklungsbedingungen und Entwicklungschancen
  • Förderung eines gesunden Aufwachsens und der physischen, psychischen und sozialen Gesundheit aller Kinder: Stärkung von individuellen Ressourcen und Schutzfaktoren zur Bewältigung von Belastungen und zur Förderung einer gesunden psychischen Entwicklung, Förderung einer gesunden Ernährung und Förderung von körperlich-sportlicher Aktivität und Alltagsbewegung.
  • Aufbau und Sicherstellung einer langfristigen multiprofessionellen Zusammenarbeit im Landkreis

Darauf liegt unser Fokus

  • Ganzheitlich gefasster Armutsbegriff
  • Hauptaugenmerk liegt auf Kindern mit Migrationshintergrund und Kindern aus alleinerziehenden Familien
  • Aufbau von aufsuchenden und niedrigschwelligen Angebotsstrukturen
  • Schaffung von bedarfs- und bedürfnisspezifischen Maßnahmen für Kinder in den Bereichen soziale Teilhabe, Ernährung und psychische Gesundheit
  • Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung der Akteurinnen und Akteure im Landkreis für das Thema Kindergesundheit und Kinderarmut

Das sind wichtige Merkmale unseres Präventionsnetzwerks

  • Nachhaltige Vernetzung, Kooperation und fach- sowie bereichsübergreifende Zusammenarbeit
  • Nutzung von Synergieeffekten durch ein interdisziplinär aufgestelltes Netzwerk an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren
  • Zusammenführung von bestehenden Präventionsangeboten von der Geburt bis zum Übergang in die Schule
  • Abbau von Doppelstrukturen und Schließung von Angebotslücken
  • Partizipation und Empowerment der Zielgruppe durch die beteiligungs- und lebensweltorientierte Gestaltung neuer gesundheitsfördernder Angebote und Maßnahmen im Landkreis

Das sind unsere Rahmenbedingungen vor Ort

Insgesamt handelt es sich beim Ostalbkreis aufgrund seiner Sozialstruktur im Vergleich zum Land Baden-Württemberg (BW) nicht in allen Bereichen um einen Landkreis, bei dem von einer besonders hohen Armutsgefährdung und Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen auszugehen ist. Jedoch schneidet der Ostalbkreis in einzelnen Bereichen im Vergleich zum Land Baden-Württemberg oder zu seinen Nachbarlandkreisen schlechter ab.

Der Anteil minderjähriger Kinder in Bedarfsgemeinschaften an der Bevölkerung betrug im Ostalbkreis im Dezember 2020 6,3 % (BW: 8,1 %). Dies entspricht 3.420 Kindern unter 18 Jahren. Davon sind 27,8 % Ausländer und mehr als 85 % unter 15 Jahre. Etwa die Hälfte der Kinder in Bedarfsgemeinschaften leben in alleinerziehenden Bedarfsgemeinschaften (BW: ca. 45 %). Die SGB II-Hilfequote der leistungsberechtigten Kinder unter 18 Jahren in Bedarfsgemeinschaften lag im Ostalbkreis im Dezember 2020 bei 5,5 % (BW: 7,5 %).

Insgesamt gibt es zum Stand Februar 2021 5.443 Bedarfsgemeinschaften im Ostalbkreis, davon sind 33 % (BW: 34 %) mit 1, 2 oder 3 Kindern unter 18 Jahren. Alleinerziehende Bedarfsgemeinschaften machen einen Anteil von 19 % (BW: 18 %) aus. Etwa ein Drittel der Personen in Bedarfsgemeinschaften sind Ausländer.

Der Anteil von Personen mit Migrationsgeschichte liegt im Ostalbkreis bei knapp über 25 % (BW: 30,9 %). Der Anteil der alleinerziehenden Haushalte beträgt in Deutschland 7 %, mit 8 % im Ostalbkreis fällt der Anteil dort etwas höher aus.

Die Koordinierung des Projekts liegt in kommunaler Verantwortung im Rahmen einer bereits vorhandenen Personalstelle beim Geschäftsbereich Gesundheit im Sachgebiet Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung des Landratsamts Ostalbkreis.

Da stehen wir heute

  • Eine Koordinationsstelle für das Präventionsnetzwerk (Netzwerkkoordination) ist eingerichtet.
  • Eine Steuerungsgruppe, in der relevante verwaltungsinterne Leitungen und andere Entscheidungsträgerinnen und -träger vertreten sind, ist gegründet: Schaffung der organisatorischen Rahmenbedingungen für das Präventionsnetzwerk, Qualitätssicherung, Evaluation und Weiterentwicklung des Projekts.
  • Die Durchführung einer umfassenden Bestandsaufnahme sowie einer strukturierten Analyse zu Bedarfen und Bedürfnissen von armutsgefährdeten und von Armut betroffenen Kindern ist abgeschlossen (in Zusammenarbeit mit regionalen Hochschulen).
  • Eine Netzwerkgruppe des Präventionsnetzwerks mit etwa 20 bis 30 Personen wurde gegründet: Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses aller Beteiligter, Sensibilisierung der Fachkräfte für das Thema „Präventionskette", Ergänzung der Bestandsaufnahme, Gewinnung weiterer Netzwerkpartnerinnen und -partner.
  • Es wurden Arbeitsgruppen zu folgenden Themen gebildet: Austausch mit der Politik, Gesunde Ernährung, Seelische Gesundheit, Schulungsreihe für Multiplikatoren und Multiplikatorinnen zum Thema armutssensibles Handeln sowie Soziale Teilhabe.
  • Es wurden bereits Anschubförderungen für Maßnahmen in den Handlungsfeldern Ernährung, Bewegung und psychische Gesundheit vergeben.

Da wollen wir in 3 Jahren stehen

  • Die Infrastruktur ist in dem Maße weiterentwickelt, dass alle relevanten Akteurinnen und Akteure vor Ort besser vernetzt sind und miteinander kooperieren und dass Maßnahmen zielgruppengerichtet und bedarfsspezifisch angeboten werden können.
  • Bestehende soziale Unterstützungsangebote wie z.B. Bildungs- und Teilhabeleistungen oder Familienberatungen sind bekannter und deren Nutzung durch den Abbau von Angst vor Stigmatisierung gefördert.
  • Durch die Bestands- und Bedarfsanalyse und die daraus folgende Entwicklung von nachhaltig angelegten passgenauen Angeboten und Hilfen sind Lücken einer Präventionskette über die Lebensspanne von Kindern hinweg geschlossen, damit sich die Folgen von materieller Armut im Kindesalter nicht auf das weitere Erwachsenenleben auswirken können.
  • Eltern sind in ihren Kompetenzen und der Erziehung gestärkt, da sie entscheidend den Tagesablauf und Lebensstil der Kinder bestimmen und sie Vorbilder in der Lebensführung und im gesundheitsrelevanten Verhalten sind.
  • Entwicklung einer kommunalen Gesamtstrategie zur Prävention und Bekämpfung von Kinderarmut im Ostalbkreis.